Bei einigen führenden deutschen Bankiers keimt, ganz zart noch, die Hoffnung, Bundeskanzler Helmut Schmidt könne hinsichtlich des für das nächste Jahr geplanten europäischen Währungsverbundes kalte Füße bekommen. Zwar spricht nicht viel dafür, daß diese Hoffnung begründet ist. Als möglich erscheint aber, daß der Kanzler den aus praktisch allen Teilen der deutschen Wirtschaft und, mit einiger Diskretion, auch von der Deutschen Bundesbank geäußerten Sorge, dieses erweiterte Währungssystem könne zu einer Inflationsquelle mißraten, nunmehr größeres Gehör schenkt.

Für diese Vermutung spricht, daß der Kanzler für den Vorabend der in der nächsten Woche in Aachen stattfindenden deutsch-französischen Konsultation mit Staatspräsident Valery Giscard d’Estaing eine Reihe von kompetenten Kritikern zu sich geladen hat: unter ihnen die Bankiers Friedrich Wilhelm Christians, Wilfried Guth, Hans Friderichs und Helmut Geiger sowie Bundesbank-Präsident Otmar Emminger.

In Kreisen der Geladenen geht die Hoffnung um, Schmidt suche Argumentationshilfe und Rückendeckung gegenüber der bei Giscard besonders stark ausgeprägten Neigung, die ökonomischen Probleme eines solchen Währungsverbundes geringer einzuschätzen als dessen politische Wirksamkeit gegenüber den USA; insbesondere auch sympathisierte der Kanzler mit dem verbreiteten deutschen Wunsch nach einer flexiblen Anpassung der Wechselkurse der im Verbund organisierten Währungen.

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Bei den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft herrscht ein so reges Kommen und Gehen, daß man fast schon um die Ansprechbarkeit dieser Verbände durch die Bundesregierung fürchten muß. Da war zunächst der Fall des Industrieverbands-Präsidenten Nikolaus Faselt, der, kaum sechs Monate im Amt, sein Amt quittieren mußte und der nun, wiederum mit Rücksicht auf den gegen ihn erhobenen Verdacht der Steuerhinterziehung und auf die wirtschaftlichen Probleme seiner Bonner Wessel-Werke, auch als Chef der Industrie- und Handelskammer Bonn zurückgetreten ist.

Es folgte die etwas verwirrende Nachricht, daß der Gemeinschaftsausschuß der deutschen Wirtschaft, der bis zum Jahresende von Otto Wolff Amerongen geleitet wird, schon vier Monate vorher dessen Nachfolger gewählt hat: Paul Schnitker, den Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. "Bei diesem Durcheinander", klagt ein Bonner Spitzenbeamter, "ist es schwer, noch die protokollarische Kleiderordnung einzuhalten".

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