Chancen und Risiken des Dreier-Gesprächs in Camp David

Von Dietrich Strothmann

In Camp David, dem abgeschiedenen Refugium amerikanischer Präsidenten in den Bergen Marylands, ist Jimmy Carter Mitte dieser Woche bei seinem waghalsigen Versuch, die Grundlagen eines israelisch-arabischen Friedens zu zimmern, ein hohes Risiko eingegangen. Mißlingt ihm sein verzweifelter Anlauf, den israelischen Ministerpräsidenten Begin und den ägyptischen Staatspräsidenten Sadat auf eine Obereinkunft des Vertrauens und der Versöhnung einzuschwören, dann scheitert nicht nur der prestigebewußte Präsident der westlichen Weltmacht, dann könnte auch der Nahe Osten bald wieder in hellen Flammen stehen.

Ohnehin verheißt die Begleitmusik zu dieser Gipfelbegegnung Menachem Begins und Anwar el Sadats wenig Gutes: In Israel wie in westeuropäischen Hauptstädten herrscht wegen angedrohter Terroranschläge von Palästinensern Alarmbereitschaft. Auch wird eine Intervention der israelischen Armee zum Schutz der von Syrien zum Endkampf herausgeforderten Christen im Libanon nicht ausgeschlossen.

Günstig stehen die Zeichen für eine Lösung des Nahost-Konfliktes jedenfalls nicht. Denn sie soll ja mehr sein als nur eine Konflikteindämmung oder Konfliktregulierung, wie sie von den Amerikanern früher mit wechselndem Erfolg betrieben wurde. Diesmal steuert Carter das höchste Ziel an, ein Jahrhundertwerk: einen Friedensschluß und gute Nachbarschaft in Nahost.

Was indessen ist nicht alles schon längst vor Jimmy Carters Höhenflug unternommen worden, um den Nahen Osten, seit 1948 von vier Kriegen erschüttert, in eine friedliche Region staatlicher Koexistenz und menschlichen Zusammenlebens zu verwandeln: Die Vereinten Nationen mühten sich immer wieder vergeblich als Vermittler, die Europäische Gemeinschaft bot ihre guten Dienste an und blieb ohne Resonanz; die amerikanischen Präsidenten Johnson und Nixon, Ford und Carter mühten sich zu vermitteln – ohne durchschlagenden Erfolg. Auch eine amerikanisch-sowjetische Initiative, im Winter 1973 beim Genfer Gipfel, blieb in Deklamationen stecken. Eine Wende vollzog sich indessen zwei Male durch risikoreiche Unternehmungen Ägyptens durch zwei Aktionen völlig entgegengesetzter Natur.

Sprung über den Suezkanal