Die Umstrukturierung des NCR-Konzerns ging auf Kosten der deutschen Tochtergesellschaft

Um Sekt wettete Kurt W. Hackel, seit einem Jahr Chef der NCR GmbH in Augsburg, bei seinem ersten Gespräch mit der Presse: Er traue sich zu, den Umsatz des Unternehmens, das früher "National Registrier Kassen" hieß, 1978 um rund hundert auf 600 Millionen Mark zu steigern. Und nach wie vor ist der selbstbewußte Manager überzeugt, daß er sich mit dieser Zielmarke keineswegs übernommen hat.

Wohl nicht zuletzt in der Absicht, das anvisierte Ziel – immerhin ein Plus von rund zwanzig Prozent – nicht zu verfehlen, hat die deutsche Tochter des NCR-Konzerns mit Sitz in Dayton/Ohio am 1. August die Preise für ihre kleinen, mittleren und großen Computer bis zu fünfzehn Prozent gesenkt. Offenbar hofft Hackel, die Erlöseinbußen durch einen kräftigen Anstoß in der Akquisition überkompensieren zu können.

Aber nicht der Umsatz ist Hackels Hauptproblem, sondern der anhaltende Strukturwandel der einstigen Registrierkassenfirma, die nun verstärkt im Computergeschäft Fuß zu fassen sucht – mit der bitteren Konsequenz, daß die eigene Produktionsbasis zum Anhängsel einer Vertriebsorganisation absinkt.

Auf diesem Weg hätte allerdings Hackels Vorgänger, Friedrich Franz Herzog, ganze Arbeit geleistet, ehe er im Frühjahr 1977 nach harten Auseinandersetzungen mit Konzernboß William S. Anderson seinen Chefstuhl in Augsburg räumte. Er bewältigte den Kraftakt des Übergangs von der Mechanik zur Elektronik auf höchst spektakuläre und unpopuläre Art: Von 1970 an wurde die Belegschaft der deutschen NCR von 8200 auf 3750 Personen abgebaut. In der Produktion, vor allem im Stammwerk Augsburg, war der Abbau noch viel stärker: von 2800 auf nur noch 780. Die Fabriken Gießen und Berlin wurden ganz aufgegeben.

Damit war der Rückgang weit größer als im Gesamtkonzern, der von 1970 bis Ende 1977 von knapp 100 000 auf 64 000 Mitarbeiter "abspeckte". Und es entstand der fatale Eindruck, der deutsche Teil sei bei dieser "Roßkur ohne Beispiel" (Industriemagazin) besonders schlecht weggekommen.

So ist der Fall NCR nicht nur ein Lehrstück für den technologischen Wandel, den die Mikroelektronik in traditionelle Produktbereiche bringt; er ist auch ein Paradebeispiel für die unerbittliche Unternehmensstrategie eines von Existenzängsten geplagten Multi.