Elektronik für Amateure

Von Heinz Blüthmann

Wenn Bundesbürger ihre lieben Kleinen in der Sandkiste filmen oder Urlaubskulissen in beweglichen Bildern festhalten, dann müssen sie anschließend warten. Denn der belichtete Film muß zur Entwicklung ins Labor und braucht für die Reise hin und zurück. – wenn er überhaupt wiederkommt – im Durchschnitt eine Woche. Erst dann kann das Vergnügen mit dem bekannten Ritual beginnen: Leinwand aufbauen, Filmprojektor anschließen, Zimmer abdunkeln.

Schmalfilmer haben sich an diesen Wartefrust gewöhnt. Im Unterbewußtsein allerdings müssen sie mit den Zähnen knirschen; gleicht ihre Situation doch der des Feinschmeckers, der heute kocht – und erst in der nächsten Woche essen kann.

Doch Abhilfe ist da. Denn mit dem Einbruch der Videorecorder in deutsche Wohnzimmer – wie früher der Farbfernseher wird er vermutlich das Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr – ist auch für den Amateurfilmer der Sofortgenuß möglich. Statt Zelluloid zu belichten, das erst von fremder Hand für die Wiedergabe präpariert werden muß, kann er Videocassetten magnetisieren und sofort abspielen – über den längst vorhandenen Fernseher.

Den Anbietern konventionellen Filmgeräts, die ohnehin über schleppenden Absatz klagen, erwächst damit eine neue Konkurrenz, die ihnen das Leben noch schwerer machen wird. Im vergangenen Jahr verkaufte die Branche hierzulande nur noch 270 000 Kameras, 55 000 Stück weniger als 1976. Manche Beobachter sagen dem Zelluloidgeschäft schon ein rasches Ende voraus. Ein Münchner Händler: "Bis 1985 ist das gute alte Schmalfilmen tot."

Das Gerät, das es ermöglicht, statt Köpke und Kojak ein privates TV-Programm mit Kind und Katze zu bestreiten, heißt Videokamera. Für Terroristen und Polizisten gehört sie bereits zum gewohnten Handwerkszeug. Weil sie begreiflicherweise den Weg zum Entwicklungslabor scheuen, benutzte auch das Terroristen-Trio Christian Klar, Willy Peter Stoll und Adelheid Schulz bei ihren dreisten Hubschrauber-Erkundungsflügen vor einigen Wochen eine elektronische Filmausrüstung.