Von Teddy Preuss

Gemeinsam mit Amerikas Präsident Jimmy Carter wollen der ägyptische Staatspräsident Sadat und Israels Ministerpräsident Begin noch einmal nach einer Lösung im Nahostkonflikt suchen. Ob sie in Camp David gefunden werden kann, erscheint nach den Äußerungen der beiden Politiker vor ihrem Abflug in die USA höchst ungewiß – falls es Carter nicht gelingt, vor allem den unnachgiebigen Menachem Begin genügend unter Druck zu setzen.

Hat der Präsident der Vereinigten Staaten die Möglichkeit dazu? "Kein Problem", meint Ägyptens Präsident Sadat, wann immer er über die Möglichkeit spricht, daß Washington Druck auf Israel ausüben könnte, um es bei den Nahost-Verhandlungen endlich zu einem Einlenken zu zwingen. Ganz unmöglich, behauptet andererseits der syrische Staatschef Assad, der deshalb die ägyptische Politik scharf ablehnt. Die jüdische Lobby in Washington ist nach Assads Ansicht erheblich stärker als der amerikanische Einfluß in Jerusalem. Jede Hoffnung, die USA könnten Israel durch wirtschaftlichen oder politischen Druck in die Knie zwingen, sei daher vergebens. Sadat ist jedoch bis heute davon überzeugt, daß er Washington für eine harte Politik gegenüber Israel mobilisieren kann. "Amerika liefert Israel alles, vom Brot bis zur Phantom", erklärte er immer wieder.

Die Realität sieht jedoch anders aus, als die beiden feindlichen arabischen Brüder behaupten. Die proisraelische Lobby in Washington ist keineswegs so mächtig, wie die Araber es immer darstellen, und nach Ansicht vieler Juden der prosaudischen Öl- und Finanzlobbys nicht gewachsen. Andererseits ist aber auch die wirtschaftliche, politische und militärische Abhängigkeit des Judenstaates von den USA weit größer, als Syriens Präsident Assad wahrhaben will.

Seit Anfang der fünfziger Jahre unterstützen die Vereinigten Staaten Israel. Zu Anfang waren es nur Summen in der Größenordnung von vierzig Millionen Dollar pro Jahr – allerdings war der Dollar damals noch ein Dollar. Militärische Hilfe leistete Washington erst seit den späten sechziger Jahren und verstärkt nach dem Sechstagekrieg 1967. Der Wert der Rüstungsgüter schnellte rasch in Größenordnungen von Hunderten von Millionen Dollar hinauf und erreichte seinen Höhepunkt 1974 nach dem Jom-Kippur-Krieg. Damals erhielt Israel aus den USA einen Zuschuß von 2,3 Milliarden Dollar in Form von Rüstungsgütern und Devisen.

Seit 1975 überweisen die Amerikaner jährlich rund 1,8 Milliarden Dollar, davon eine Milliarde für den Kauf von Waffen in den Vereinigten Staaten, die anderen 800 Millionen gelten als wirtschaftliche Hilfe. Die Hälfte der Rüstungshilfe und zwei Drittel der Wirtschaftshilfe sind reine Geschenke. Der Rest wird als Darlehen zu Freundschaftskonditionen gewährt: in dreißig bis vierzig Jahren rückzahlbar und mit zwei bis drei Prozent sehr niedrig verzinst.

Außer solch großzügigen Spenden aus dem amerikanischen Steuersäckel erhält Israel etwa eine weitere halbe Milliarde Dollar, die durch private Spenden aufgebracht werden oder als Investitionen ins Land fließen. Durch den United Jewish Appeal (UJA), eine weltweit aktive jüdische Organisation, werden jährlich etwa 300 Millionen Dollar allein in den USA für Israel gesammelt. Gelder für die UJA darf jeder Spender entsprechend dem amerikanischen Steuergesetz von seinem Einkommen absetzen. Dies bedeutet, daß der amerikanische Staatshaushalt auch hier einen gewissen Beitrag leistet. Unter Umständen könnte Washington die Abzugsmöglichkeit streichen. Das würde gewiß die Spendenfreudigkeit erheblich dämpfen.