80 000 "falsche" Hosen

Auf der Leipziger Messe geht alles mit rechten Dingen zu - das Geschäft blüht. An den Grenzübergängen Zwi-schen der Bundesrepublik und der DDR kommt auch mal Unrechtes vor – und da blühen die Geschäfte erst recht.

Von Joachim Nawrocki

Entdeckt wurden sie zu Anfang dieses Jahres in den Freihäfen von Hamburg und Rott er – dam: Hunderttausende von Herrenhemden, die der koreanischen Firma DAE WOO gehörten. Und die, die sie entdeckt hatten, deutsche Zollbeamte, hatten gleich den Verdacht, die Billigtextilien sollten unverzollt in die Bundesrepublik eingeschleust werden, obwohl Südkorea wegen bestehender Selbstbeschränkungsabkommen keine Ausfuhrgenehmigung erteilt hatte.

Auf Umwegen sollte sich dieser Verdacht bestätigen. Bald darauf wurden diese Hemden offiziell an die Loma GmbH in Wien verkauft, im Januar aus Hamburg und im April aus Rotterdam mit Lastzügen der DDR-Spedition VEB Deutrans abgeholt. Die Lastzüge fuhren in die DDR – und kamen unmittelbar danach in die Bundesrepublik zurück. Daß es sich um die selben Laster handelte, stellten die Zollbehörden an den Kennzeichen fest; die inzwischen vergangene Zeit war auch so kurz, daß sie kaum umgeladen sein konnten. Nur: Aus den koreanischen Hemden waren nach den Begleitpapieren über Nacht DDR-Erzeugnisse geworden.

Als Verkäufer der angeblichen DDR-Hemden wurde die DDR-Außenhandelsgesellschaft Textil-Commerz angegeben. Käufer war die Lindauer Firma Universum GmbH + Co. KG des 44jährigen Kaufmannes Oskar Butz. Den Kaufpreis von 1 011 198,05 Dollar für insgesamt 583 700 Hemden – Stückpreis also 1,73 Dollar – hatte Universum direkt an Loma überwiesen; die gab das Geld an die Koreaner weiter.

Der Vorgang war eindeutig: Ramschware aus Ostasien war ohne Ein- und Ausfuhrgenehmigung zoll- und steuerfrei über den innerdeutschen Handel in die Bundesrepublik geliefert worden. Der deutsche Fiskus wurde um mindestens 989 000 Mark geschädigt.