Alkohol- und Drogensüchtige werden durch Eltern, Lehrer und durch das Milieu, in dem sie aufwuchsen, zu den Menschen geformt, die sie heute sind. Sie wurden zu Menschen, die Schwierigkeiten im Kontakt zu ihren Mitmenschen und Angst vor der Wirklichkeit empfinden. Ihre Neigung, allen Schwierigkeiten bei der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt aus dem Weg zu gehen, ist größer als die, sich der Wirklichkeit zu stellen. Man findet sie in innerlicher Vereinsamung und Daseinsleere, ihnen fehlen Liebe und Geborgenheit. Durch Ansprüche und Forderungen, die Leben und Gesellschaft an sie stellen, geraten sie in eine reine Protesthaltung. In dieser Haltung bietet ihnen die Droge einen Weg zu sich selbst, einen scheinbaren Weg zurück zur Freiheit ihrer Person. Menschen, die zu solchen Mitteln greifen müssen, um sich selbst zu finden, kann man kein Verantwortungsvermögen im Sinne von Schuld aufladen. Wenn man überhaupt von Schuld reden will, dann muß man sie dort suchen, wo die Freiheit des einzelnen in solch gefährlichem Maße verlorengeht. Gisela Lumme, 16 Jahre

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Mir sind Fälle von Drogensüchtigen bekannt, deren Gründe ich vielleicht nie verstehen werde, weil ich es nicht vermag, mich in diese Jugendlichen hineinzuversetzen. Ich begreife nicht, daß sie nicht vorher von der ganzen Rauschgiftszene abgeschreckt werden, deren Statisten doch das ganze Elend dieser Sucht demonstrieren. Mir sind jedoch auch Fälle bekannt, in denen diejenigen, die den Entschluß gefaßt hatten, noch rechtzeitig umzukehren, an fehlender verantwortlicher Hilfe scheiterten. Durch Razzien oder Anzeigen wurde erreicht, daß sich Gerichte mit ihnen befaßten, deren Urteilssprüche mich jedesmal erschrecken ließen. Da werden wahre Drogenwracks entmündigt und zu einer Therapie geschickt, die meist zu spät kommt, während diejenigen, die gewillt wären, aus dem Drogenkonsum heraustherapiert zu werden, eine Geldstrafe bekommen.

Sabine Franzen, 18 Jahre

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Die Schuldfrage läßt sich nicht einfach bestimmen, denn auf der einen Seite sind es eben die Bedingungen, in denen der junge Mensch von heute leben muß, auf der anderen Seite ist es auch die Schuld, der Jugendlichen, die sich durch Alkohol- oder Drogensucht selbst entmündigen und dadurch, keine Möglichkeit mehr haben, an dieser Situation etwas zu ändern. Sie sind also auf eine Hilfe von außen angewiesen, die meist ausbleibt, da die Menschen mit diesen "Asozialen" nichts zu tun haben wollen. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, aus dem keine der beiden Seiten mehr ausbrechen kann. Man sollte deshalb nicht versuchen, an den Symptomen herumzubasteln, sondern man sollte die Probleme bei der Wurzel fassen: Mehr Freizeitgestaltungsmöglichkeiten für Jugendliche, die meist in Kneipen mit Spielautomaten anzutreffen sind. Ferner sollte man versuchen, das Verhältnis der jungen Leute zu den anderen Menschen zu entkrampfen, was bestimmt nicht durch Generationstrennung möglich ist. Aber als wichtigste Faktoren zur Verbesserung sind die Jugendlichen selbst zu nennen, die zu alledem bereit sein müssen und die für alle Möglichkeiten und Vorschläge ein offenes Ohr haben sollten.

Andreas Christmann, 16 Jahre