Wie aus einem deutschen Goldgräber ein kanadischer Kultusminister wurde

Von Dieter Buhl

Das Zimmer birst von Erinnerungsstücken. Auf den Schränken stehen in Reih’ und Glied Dutzende von Bierkrügen. In den Vitrinen liegen säuberlich geordnet genügend Manschettenknöpfe, um einer ganzen Kompanie von eleganten Herren den letzten Schliff zu geben. Die Wände hängen voller Wimpel, und die Tische stehen vollgepackt mit Andenken, von der Statue bis zum blitzenden Degen. Als dominierender Farbton lagert über allem das blau-weiße Rautenmuster. So, stellt sich der Gedanke ein, könnte es in einem oberbayerischen Dorfmuseum oder im Schrein eines Freistaat-Honoratioren aussehen. Aber die Souvenirsammlung befindet sich mehr als ein Dutzend Flugstunden vom Bayernland entfernt, im Regierungsgebäude der kanadischen Provinz Alberta, und sie ist der ganze Stolz von Horst A. Schmid.

Im fernen Westen hegt er die Erinnerung an die alte Heimat und pflegt die Markierungszeichen einer außergewöhnlichen Karriere; er hat allen Grund dazu, denn: Horst A. Schmid schaffte einen Sprung, der selbst in Kanada, dem Land, in dem auch heute noch so vieles möglich ist, eine Rekordmarke setzte. Der ehemalige Münchner brachte es als erster Nachkriegs-Einwanderer in Kanada zu Ministerwürden. Seit 1971 leitet er das Ministerium für Kultur, Jugend und Erholung und nebenbei auch noch das Verwaltungsministerium des Präriestaates Alberta.

Ein Bayer im Boomland, so könnte die Oberschrift über den Werdegang des 45jährigen lauten. Horst Schmids Aufstieg wirkt doppelt beeindruckend in einem Landstrich, in dem der Geist des Wilden Westens noch keine Nostalgie erweckt. Erst war es der Weizen, nun pumpen Öl und Gas rasantes Tempo in die Entwicklung Albertas. Es schlägt nirgends stärker durch als in Edmonton, der Provinzhauptstadt. Noch vor ein paar Jahrzehnten war die ehemalige Trapperstation ein schläfriges Provinznest. Heute leben dort 600 000 Menschen. Am Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich eine Million.

Texas in Kanada, so gibt sich Alberta, beflügelt durch den Ölrausch und den unbegrenzten Horizont künftigen Reichtums. Dem Mann aus Bayern verschlägt das Tempo nicht den Atem. Gedrungen, vital und mit der Sprechgeschwindigkeit eines Maschinengewehrs gehört er zu denen, die der ungebärdigen Provinz den Sternpel aufdrücken. Wenn er sich in seinem weinroten Cadillac durch die Städte und über Land fahren läßt, könnte er für einen Ölbaron oder einen der vielen Grundstücksspekulanten gehalten werden. Aber Schmid kann mehr aufweisen als plötzlichen Reichtum. Er kann sich rühmen, in Alberta die Kultur festgepflanzt zu haben.

Jeder kennt Horst