Von Peter Härtling

Es ist schwerer über ein Buch zu schreiben, das man schätzt, als über eines, das man mißlangen findet. Zuneigung begründet man zögernder, suchender als Abneigung. Darum will ich, auch um meine Sympathie nicht vage zu lassen, am Beispiel eines Gedichtes vorführen, weshalb mir das Buch von –

Bernd Jentzsch: "Quartiermachen", Gedichte; Hanser Verlag, München, 1978; 85 S., 16,80 DM

so nahe geht, mir viele Gedichte vertraut scheinen wie Bruchstücke einer Korrespondenz, in die ich einbezogen bin.

Das Gedicht heißt "Gedächtnis". Schon der Titel ist vieldeutig, an Echos so reich wie das ganze siebenzeilige Gebilde. "Gedächtnis" meint die Erinnerung des Autors an ein Gedicht, einen Dichter, für den, wie für Jentzsch, Zürich zur Stadt des Exils wurde. Ihm und allen Emigranten zum Gedächtnis wurden die Verse geschrieben. Aber Gedächtnis schließt auch die Gegenwart der Schreibenden ein, der nun die Geschichte der Vorgänger, unmittelbar und schmerzlich, selber erfährt.

"Im Fremden ungewollt zuhaus.

Wer schrieb das?