DIE ZEIT

Carters Wagnis

Präsident Jimmy Carter hatte vor der Nahost-Gipfelkonferenz in Camp David, die Mitte dieser Woche begann, zwei Risiken gegeneinander abzuwägen, als er das volle Gewicht und Prestige seines Amtes einsetzen wollte.

Silberlinge

Das antike Theater kannte den Doppelkopf: Tragödie und Komödie lachten und weinten am gleichen Haupte. Diesem Janus-Paradox haben die modernen Briten eine Variante angefügt.

Schleyer und die Folgen

In dieser Woche hat sich der Tag gejährt, an dem Hanns-Martin Schleyer entführt wurde. Für seine vier Begleiter war der 5. September 1977 der Todestag, für ihn selbst der Beginn des Sterbens.

Bonner Schattengefechte

Der angebliche Spionagefall in Bonn, samt allen darauf aufgebauten finsteren Verdächtigungen, hat uns ein ebenso erschreckendes wie abschreckendes Schauspiel politischer Hemdsärmeligkeit beschert.

Seelenhygiene

Österreichs Bundeskanzler Bruno Kreisky hält Ost-Juden für verquer und unfähig zum politischen Kompromiß. Israel ist für ihn ein Polizeistaat, Israels Ministerpräsident Begin – in Rußland geboren – eine Krämerseele.

Zeitspiegel

Die Greenwich-Zeit ist den Franzosen nicht genau genug – sie hinkt offenbar um eine Sekunde jährlich hinter der Internationalen Atomzeit her.

Worte der Woche

"Die Teilnahme an einer Vietnam-Demonstration ist noch nicht einmal eine Jugendsünde... Nach allem, was wir heute über diesen Krieg und seine Hintergründe wissen, empfinde ich es als eine Alterssünde, daß ich an solchen Demonstrationen nicht teilgenommen habe.

Neuanfang oder nüchternes Bewahren?

Johannes Rau oder Diether Posser – zwischen den beiden Nachfolgekandidaten für den Ministerpräsidenten Heinz Kühn müssen sich die nordrhein-westfälischen Sozialdemokraten am 17.

Stolper-Strick für die Verfolger

Der Fall des SPD-Bundestagsabgeordneten Uwe Holtz hat jenseits seiner politischen Brisanz eine beinahe erheiternde Komponente: Jedermann weiß, daß es bei Spionageverdacht mehr als bei jedem anderen Verdacht strafbaren Tuns darauf ankommt, den Verdächtigen ohne jede Vorwarnung zu stellen und womöglich festzunehmen.

Die Szene war wüst und leer

Nachdem sich der erste Qualm verzogen hat, ist die Szene wüst und leer. Sie ist leer, weil zu den dramatischen Spionagekulissen, die vor einer Woche in Bonn aufgebaut worden sind, das Stück fehlt, jedenfalls bisher.

Die Nase vorn

Dietrich Stobbe, nun seit ein und einem Viertel Jahr Regierender Bürgermeister in Berlin, hat noch nicht alles erreicht, was er sich nach der Ablösung seines Vorgängers Klaus Schütz vorgenommen hatte.

Meistens kleine Fische

Bonn durchlebt in diesen Tagen den siebenten Spionageskandal seit Bestehen der Bundesrepublik. Sieben auf dreißig Jahre – das ist nicht aufregend viel, schließlich wird unser Land Jahr um Jahr von Tausenden fremder Agenten heimgesucht: Dauergästen, Kurzparkern, Durchreisenden, Kurieren.

Ende der Talfahrt

Die Nahostkrise vor genau zwanzig Jahren ließ zum erstenmal einen Riß zwischen Moskaus und Pekings Westpolitik erkennen. Mao wollte Waffen und Freiwillige gegen die Landung der Westmächte in Jordanien und im Libanon einsetzen.

Carter setzt jetzt auf Sadat

In Camp David, dem abgeschiedenen Refugium amerikanischer Präsidenten in den Bergen Marylands, ist Jimmy Carter Mitte dieser Woche bei seinem waghalsigen Versuch, die Grundlagen eines israelisch-arabischen Friedens zu zimmern, ein hohes Risiko eingegangen.

Frieden aus dem Ferienlager?

Der legendäre "Geist von Camp David", der jetzt Frieden im Nahen Osten stiften soll, hat sich schon einmal in Nicht-Wohlgefallen aufgelöst.

Wie zurück?

Vernunft und Wahlkampf vertragen sich schlecht. Wer es noch nicht wußte, konnte es spätestens in der vorigen Woche in Wiesbaden lernen, als Hessens SPD und FDP in einer Landtags-Sondersitzung den Antrag der CDU verwarfen, das Retorten-Gebilde "Lahn" sofort aufzulösen.

Pickelhauben-Demokratie

Reichsfeinde und vaterlandslose Gesellen hießen die Sozialdemokraten im Bürgertum vor 100 Jahren. Aus gegebenem Anlaß wird nun daran erinnert.

Begin: Ein Kleinkrämer?

Ich mußte eine Niederlage nach der anderen von Seiten Golda Meirs und anderen einstecken. Jahrelang war es in der Internationale eine üble Sache, über die Palästinenser zu reden.

Rhodesien in Auflösung

Das erst am Wochenende bekanntgewordene Treffen Zwischen dem rhodesischen Premier Ian Smith und dem schwarzen Guerillaführer Joshua Nkomo im vergangenen Monat in Sambia droht alle Bündnisse und Absprachen im Rhodesienkonflikt umzukehren.

Streit um heißen Sand

Beide Länder hatten im November 1975 das phosphatreiche Wüstengebiet – mit spanischer Billigung – unter sich aufgeteilt, trotz des Protestes der Bewohner, deren Kampforganisation Polisario seitdem mit algerischer Unterstützung den Okkupanten das Leben schwermacht.

Zum Scheitern verurteilt?

Montag, 10. September 1973: In aller Frühe meldet sich bei dem chilenischen Präsidenten Salvador Allende Gossens ein junger Mann aus seiner bewaffneten Leibgarde, der atemlos vorträgt, was einer seiner Freunde, ein Heeres-Hauptmann, ihm eben mitgeteilt hat: Die Oberkommandierenden von Heer, Marine, Luftwaffe und Polizei bereiten ein Ultimatum an den Präsidenten vor.

Ein guter Sommer für Giscard

Plötzlich gibt es keine Parkplätze mehr in Paris, der Verkehr stockt wie gewohnt, die U-Bahn platzt zu den üblichen Stunden aus den Nähten.

Die Welt des Menachem Begin

Als im Frühjahr 1977 Menachem Begin die seit Jahrzehnten regierende Arbeiterpartei ablöste, war eine Epoche beendet. Die Partei, die den Staat und die Wirtschaft maßgeblich getragen hatte, war abgenützt.

Der Moloch Großtechnik: Umschalten ja, aber wie?

Nein. Zwar schildert der Autor auch – besonders eindringlich sogar – die erbärmlichen Folgen fortschreitender Technisierung unseres Daseins weiteren Wirtschaftswachstums und fortdauernder Ignoranz der Politiker gegenüber den Eigengesetzlichkeiten der Supertechnik.

Alle Türken sind schon da

Im Alten Land hinter dem Deich am Südufer der Niederelbe ist alle Jahre wieder Notstand im Wohlstand. Das größte geschlossene Obstanbaugebiet Europas erstreckt sich von der Estemündung bis ins Land Kehdingen, gehört teils zu Hamburg, zum größeren Teil zu Niedersachsen.

Putz fiel auf den Alten Fritz

So arg hat’s noch nie gerumpelt", klagte die alte Frau aus dem württembergischen Flecken Killer, und die Verwalterin der nahen Burg Hohenzollern dankte Gott, "daß noch keine Besucher da waren" – Besucher, die möglicherweise von herabstürzenden Steinen im Stammsitz der letzten deutschen Kaiser erschlagen worden wären.

Die Genossen lassen schmuggeln

Entdeckt wurden sie zu Anfang dieses Jahres in den Freihäfen von Hamburg und Rott er – dam: Hunderttausende von Herrenhemden, die der koreanischen Firma DAE WOO gehörten.

Rückfall in alte Sünden

Guten Vorsätzen ist in der Politik meist nur ein kurzes Leben beschieden. Wenn es gutgeht, halten sie eine ganze Legislaturperiode; häufiger aber überdauern sie noch nicht einmal ein einziges Haushaltsjahr.

Innerdeutscher Handel

Der Interzonenhandel – auch innerdeutscher Handel genannt – ist ein Zwitterding: Er ist kein Binnenhandel, weil er zwischen zwei deutschen Staaten abgewickelt wird.

Rechnung ohne den Wirt

Wiederholt sind Versuche unternommen worden, private Investitionen vor staatlichen Eingriffen durch internationale Vereinbarungen weltweit zu schützen.

Nicht lächerlich

Die privaten Hypothekenbanken wollen von der Angabe des Hypotheken-Effektivzinses, wie sie nach dem Wortlaut der Preisangabenverordnung bei Kreditangeboten vorgeschrieben ist, ausgenommen werden.

Zwickmühle

Der Manteltarifvertrag der Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten für die Arbeitnehmer der Brauwirtschaft an Rhein und Ruhr ist zwar unterschrieben und nach Ansicht nicht nur der Hausjuristen gültig.

Bonner Kulisse

Bei einigen führenden deutschen Bankiers keimt, ganz zart noch, die Hoffnung, Bundeskanzler Helmut Schmidt könne hinsichtlich des für das nächste Jahr geplanten europäischen Währungsverbundes kalte Füße bekommen.

Neun Milliarden

Die Handelsfunktionäre der DDR bemühen sich, wenigstens das handelspolitische Klima zwischen den beiden deutschen Staaten freundlich zu halten.

Der eigene Film auf der Mattscheibe

Wenn Bundesbürger ihre lieben Kleinen in der Sandkiste filmen oder Urlaubskulissen in beweglichen Bildern festhalten, dann müssen sie anschließend warten.

Firmen und Fakten

Aus heutiger Sicht werden BASF, Bayer und Hoechst für 1978 zwar geringere Gewinne ausweisen als für das Geschäftsjahr 1977, doch zeigt eine Quartalsanalyse (siehe die unten stehende Tabelle), daß es bei allen drei Gesellschaften sowohl mit dem Umsatz als auch mit dem Gewinn wieder aufwärts geht.

Mikroelektronik: Computer statt Kassen

Um Sekt wettete Kurt W. Hackel, seit einem Jahr Chef der NCR GmbH in Augsburg, bei seinem ersten Gespräch mit der Presse: Er traue sich zu, den Umsatz des Unternehmens, das früher "National Registrier Kassen" hieß, 1978 um rund hundert auf 600 Millionen Mark zu steigern.

Beörsen-Report: Kursgewinne locken

Einige Kreditinstitute haben damit begonnen, ihrer Kundschaft den Verkauf von Aktien nahezulegen, um zumindest einen Teil der inzwischen entstandenen Kursgewinne zu realisieren.

ZEIT spart Geld

Die seit dem 4. September zum Verkauf stehende Bundesanleihe ist in zwei Tranchen erhältlich. Bei der sechsjährigen Ausgabe ergibt sich eine Rendite von 6,20 Prozent, bei der zehnjährigen eine von 6,64 Prozent.

Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff plädiert für eine Einbeziehung der Bürger in die Entscheidungsprozesse und kritisiert die oft unzureichende Information durch die Unternehmen, wie im Fall Brunsbüttel: Das Vertrauen der Bürger gewinnen

Die politische Diskussion um Energiepolitik und Kernkraftwerke in der Bundesrepublik hat sich neu belebt. Aktuelle Anlässe wie der Störfall im Kernkraftwerk Brunsbüttel oder die Vorgänge um den Grundstückserwerb für das künftige Entsorgungszentrum in Gorleben zeigen, daß nicht nur das kritische Bewußtsein der Bevölkerung, sondern zum Teil auch die ablehnende Haltung zur Kernenergie fortbesteht.

Aktien-Seller

Die Dauerberieselung mit guten Nachrichten aus Wolfsburg tat an der Börse ihre Wirkung: Die VW-Aktie ist auch im August Umsatzspitzenreiter geblieben.

DDR: Interesse an Großprojekten

Große Sprünge hat es in den letzten Jahren im innerdeutschen Handel nicht mehr gegeben. Und auch jetzt bei der Leipziger Herbstmesse, auf der rund 600 Aussteller aus der Bundesrepublik und West-Berlin vertreten sind, zeigten sich viele Firmen skeptisch über die Entwicklung des deutsch-deutschen Warenaustauschs.

Zeitraffer

Trotz des überwiegend kühlen und unfreundlichen Wetters können sich die deutschen Landwirte über eine gute Ernte freuen. Allerdings muß die Sonne bald wieder dafür sorgen, daß auch der Rest des Getreides – rund ein Drittel steht noch auf dem Halm – unbeschadet in die Scheunen gebracht werden kann.

Kein Ausweg

Erdmann: Die Mitgliedsverbände der Bundesvereinigung sind in ihrer Tarifpolitik autonom. Und Sie wissen ja, daß der Arbeitgeberverband der Brauereien in Nordrhein-Westfalen in einer Mitgliederversammlung das ursprüngliche Verhandlungsergebnis mit einer großen Mehrheit nicht gebilligt hat.

Manager und Märkte

Über einen kleinen Verkaufsschlager darf sich derzeit der Porzellan-Einzelhandel freuen: Mit Blumen verzierte Teller – von prominenter Hand entworfen.

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