Der Interzonenhandel – auch innerdeutscher Handel genannt – ist ein Zwitterding: Er ist kein Binnenhandel, weil er zwischen zwei deutschen Staaten abgewickelt wird. Aber er ist auch kein Außenhandel, weil die DDR nach westlicher Auffassung für die Bundesrepublik kein Ausland ist Daraus ergeben sich eine Reihe von Sonderregelungen. Der Handel ist frei von Zöllen und Abgaben. Lieferungen aus der DDR werden nicht verzollt, wenn die Waren nachweislich DDR-Produkte sind. Allerdings werden auf Genußmittel, die aus der DDR kommen (etwa Tabakwaren, Spirituosen) in der Bundesrepublik Verbrauchsteuern erhoben. Agrarlieferungen aus der DDR sind auch von den Abschöpfungen der Europäischen Agrarmarktordnung befreit. Sie können deshalb von der DDR zu den Binnenmarktpreisen der Europäischen Gemeinschaft gekauft werden, die weit über den Weltmarktpreisen liegen. Des weiteren sind die Bezüge aus der DDR mehrwertsteuerfrei. Der Käufer von DDR-Produkten hat einen Mehrwertsteuer-Kürzungsanspruch – genannt fiktiver Vorsteuerabzug – in Höhe von zwölf Prozent, bei Agrarprodukten sechs Prozent.’Häufig versuchen Importeure und Lieferanten, diese Vorteile auch für Waren aus anderen Ländern einzuheimsen, indem sie die gekauften Waren fälschlich als DDR-Produkte ausgeben.