• Herr Erdmann, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ist nicht ganz unschuldig daran, daß die rheinisch-westfälischen Brauereien den umstrittenen Manteltarifvertrag mit der Arbeitszeitverkürzung für ältere Arbeitnehmer nachträglich abgelehnt haben. Warum hat sich die Bundesvereinigung eingeschaltet?

Erdmann: Die Mitgliedsverbände der Bundesvereinigung sind in ihrer Tarifpolitik autonom. Und Sie wissen ja, daß der Arbeitgeberverband der Brauereien in Nordrhein-Westfalen in einer Mitgliederversammlung das ursprüngliche Verhandlungsergebnis mit einer großen Mehrheit nicht gebilligt hat. Die Bundesvereinigung hat die Aufgabe, im Rahmen der tarifpolitischen Zusammenarbeit mit allen Verbänden und vor dem Hintergrund der übergeordneten gesamten Vorstellungen der Unternehmerschaft in wichtigen tarifpolitischen Fragen die Zusammenarbeit zu fördern, das heißt, die Verbände zu beraten. Das haben wir auch in diesem Falle getan.’

  • Resultiert Ihre ablehnende Haltung vor allem aus der grundsätzlichen Befürchtung, daß solche Abschlüsse eine Bresche in die Front gegen die 40-Stunden-Woche schlagen könnten?

Erdmann: Die 40-Stunden-Woche ist eine Arbeitszeitregelung, wie sie heute für etwa 92 Prozent der Arbeitnehmer gilt. Die weitere Verkürzung der wöchentlichen Regelarbeit wird weitgehend begründet mit arbeitsmarktpolitischen Überlegungen. Wir sind davon überzeugt, daß man mit einer Verkürzung der Regelarbeitszeit keine arbeitsmarktpolitischen Probleme löst, sondern eher weitere arbeitsmarktpolitische Probleme schafft. Wir haben uns wiederholt für eine begleitende Arbeitsmarktpolitik, die gerade den besonderen Problemen älterer Arbeitnehmer und anderer Problemgruppen des Arbeitsmarktes Rechnung trägt, ausgesprochen. Aber das kann nicht in der Weise erfolgen, daß man einfach die wöchentliche Arbeitszeit reduziert. Man muß sich auch darüber im klaren sein, was es psychologisch bedeuten kann, wenn Menschen von Mitte 50 zu alten Leuten deklariert werden.

Wir müssen die Arbeitszeitfragen zudem unter Wettbewerbsgesichtspunkten sehen, wir müssen sie auch sehen unter dem Gesichtspunkt des Einsatzes der Anlagen, und ich glaube, wenn man sich auch den Gedanken einer weiteren Humanisierung der Arbeitswelt vor Augen führt, dann muß man vor dem Hintergrund der 40-Stunden-Woche und der langen Urlaubsdauer sagen, daß auch aus diesen Gesichtspunkten heraus kein Anlaß besteht, in die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit einzutreten. Hinzu kommen die außerordentlichen Kosten, die eine Arbeitszeitverkürzung verursacht.

  • Nun hat es ja im Laufe der Geschichte immer eine Arbeitszeitverkürzung gegeben, soll jetzt bei der 40-Stunden-Woche Schluß sein?

Erdmann: Ich glaube, man muß sehen, daß wir auch in den vergangenen Jahren immer gewisse faktische Arbeitszeitreduzierungen gehabt haben, mit der Folge, daß die effektiven Arbeitszeiten so weitgehend gesunken sind, daß heute im Schnitt nur noch an 250 Tagen im Jahr gearbeitet wird.