Rettet die Vögel – Wir brauchen sie", herausgegeben von Horst Stern, Gerhard Thielcke, Frederic Vester, von Rudolf Schreiber. Der Kranich, Wappentier der Deutschen Lufthansa, stirbt möglicherweise bald aus. Sein feuchter Lebensraum, sumpfige Wälder oder verlandete Seen, wird zunehmend vernichtet. Nur etwa zehn Paare brüten noch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Besorgte Wissenschaftler haben deshalb den Kranich zusammen mit 117 weiteren Vogelarten auf eine "Rote Liste" gesetzt, die Auskunft über die in der Bundesrepublik gefährdeten, Vögel gibt. Ein Blick auf diese Bio-Bilanz, abgedruckt im vorliegenden von der Lufthansa geförderten Sachbuch, wird viele erschrecken. Doch damit allein mögen sich der Herausgeber und die Autoren dieses großformatigen Bandes keineswegs begnügen; sie haben keinen literarischen Umwelt-Schocker verfaßt, sondern eine faktenreiche Informationsschrift über die bedrohte Vogelwelt hierzulande, wobei zudem 50 Pfennig pro Buch als Spende an die Aktion "Rettet die Vögel" abgeführt werden. Auf den ersten Seiten des anschaulich gestalteten Bildbandes erklärt der Biochemiker Frederic Vester ökologische Zusammenhänge. Der Ornithologe Gerhard Thielcke beschreibt die Lebensräume der bedrohten Vogelarten und verweist auf Schutzmöglichkeiten. Am besten gefallen die engagierten und flott formulierten Kommentare von Horst Stern: "Wann werden die geistigen Führer unserer Nation, die Künstler, die Wissen? schaftler und die Philosophen durch spektakuläre Aktionen endlich Solidarität üben mit den immer noch wenigen Naturwissenschaftlern, die den Untergang ihrer höchsteigenen Welt nicht nur professoral beklagen, sondern in Naturschutz-Initiativen aktiv zu verhindern suchend (Herbig Verlagsbuchhandlung, München/Berlin, 1978; 240 S.; 20,– DM.) Werner Hornung

"Strukturale Textanalyse", von Michael Titzmann. Das Buch – Teil einer Reihe, deren Bände literaturkritischen und theoretischen Grundfragen gewidmet sind – gefällt wegen der verständlichen Einführungen in jene primären Bereiche, welche die nutzbare Anwedung der strukturalen Textanalyse voraussetzt. Michael Titzmann, der die wichtigsten semiotischen und strukturalistischen Ansätze (von Barthes, Lacan, Genette) knapp aufarbeitet, eine brauchbare Terminologie liefert und vor den Augen des Lesers eine gültige Interpretationstheorie entwickelt, demonstriert die Tauglichkeit seiner Methode am Beispiel "alltäglich-kommunikativer" Texte mit besonderem Geschick aber an solchen der Klassiker (Goethe, Schiller, Hölderlin, Kleist, C. F. Meyer, Kafka). (Wilhelm Fink Verlag, München, 1977; 470 S., 23,80 DM) Jürg Altwegg

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"Notizen über Wendelin – Satiren", von Albert Janetschek, Dünne Händchen haben es oft faustdick hinter den Ohren, dicke Wälzer sind gelegentlich peinlich dünn. Zu solcher Feststellung gibt ein Büchlein Anlaß, die (zehnte) Veröffentlichung des Schuldirektors Janetschek aus der Wiener Neustadt (geboren 1925). Kaum hat an es aufgeschlagen, bereits ein "merkwürdiger Geruch: / Unsere Ordrungen / riechen / nach Kirche / und Kuhstall: / / Die Vorbeter / liefern / das Gedankenfutter / für die Nachbeter / zum Wiederkäuen". Eine Satirische Stinkbombe (nein: ein Ozonkonzentrat!), geworfen vom Herrn Direktor persönlich. Von didaktischen Anwandlungen bleiben diese Kür-Zeitgeschichten, Gedichte und Aphorismen dennoch nicht frei "Gerade die Bedürfnislosen sind oft die Reichen im Geiste Im allgemeinen aber entledigt sich der aufklärerische Janetschek – Lernziel: Demokratie – seines Unterrichtspensums ohne Zeigestock und Zeigefinger. So meditiert er zum Beispiel ganz schön durchtrieben über "Hosenträger und Kulturträger: Die einen geben nach / die anderen an. // Die einen sind unentbehrlich, die anderen halten sich dafür. / Die einen läßt man beim Bücken herunter, die anderen kommen beim Bücken hinauf. (Verlag J. P. Peter/Gebr. Holstein, Rothenburg o. d. T., 1977; 64 S., 8,80 DM.)

Hanns-Hermann Kersten