Einige Kreditinstitute haben damit begonnen, ihrer Kundschaft den Verkauf von Aktien nahezulegen, um zumindest einen Teil der inzwischen entstandenen Kursgewinne zu realisieren. Mit solchen Ratschlägen stoßen die Banken beim Publikum zwar auf Verständnis, doch nicht immer gelingt es, den Kunden dann auch zum Verkauf zu bewegen. Denn auf die Frage: "Was mache ich mit dem Geld?" weiß zur Zeit niemand eine befriedigende Antwort. Festverzinsliche Papiere werden als Alternative nur von einem kleinen Kreis der Sparer akzeptiert. So kommt es, daß ein nicht unerheblicher Teil der Aktienverkaufserlöse schon bald wieder auf dem Aktienmarkt landet und die Hausse von neuem anheizt.

Ein nicht unbeträchtlicher Nachholbedarf wird noch in den Großchemie-Kursen vermutet. Da nunmehr festzustehen scheint, daß BASF, Bayer und Hoechst auch für 1978 wieder sechs Mark in bar ausschütten werden, lassen sich hier noch überdurchschnittliche Renditen ausrechnen. Bei Hoechst zum Beispiel knapp 6,8 Prozent.

In Mode gekommen sind erneut die Bank-Aktien. Ihre Käufer führen als Begründung an, daß ein beträchtlicher Teil des durch die gesunkenen Rentenkurse entstandenen Abschreibungsbedarfs inzwischen wieder geschwunden ist. Die in den letzten Wochen bei den festverzinslichen Papieren eingetretene Kurserholung hat dafür gesorgt. Der flotte Absatz der neuen Bundesanleihe hat überdies die Hoffnung wachsen lassen, daß bis zum Jahresschluß der Rentenmarkt von Erschütterungen frei bleiben wird.

Das hängt natürlich nicht zuletzt vom Verhalten der Ausländer ab. Der neuerliche Kursverfall des Dollars hat etliche "Abwanderer" wieder in die Mark zurückkehren lassen. Allmählich beginnt auch der letzte Optimist zu begreifen, daß technische Kniffe wie Zinserhöhung und Goldverkäufe nicht ausreichen, um die Dollar-Schwäche zu überwinden. Entscheidend ist die Beseitigung des Handelsbilanzdefizits über die Einschränkung des Ölverbrauches. Auf diesem Weg hat es in den USA noch keine Fortschritte gegeben.

Bemerkenswert ist, daß die Dollar-Schwäche bei der Tendenzbildung an den deutschen Börsen so gut wie keine Rolle mehr spielt. Vielleicht deshalb nicht, weil ein schwacher Dollar gleichzeitig eine Werbung für Markt-Anlagen darstellt. Tatsächlich hat das Interesse der Ausländer auch an deutschen Aktien wieder zugenommen.

K. W.