wilhelm Buschs beispiellose Popularität steht in keinem Verhältnis zur unbefriedigenden Edition der Werke und zur Forschungslage. Eine kritische Gesamtausgabe fehlt, und die Literatur über ihn ist insgesamt noch nirgends gesichtet". Diesem Mißstand hilft ein biobibliographisches Arbeitsbuch ab von –

Walter Pape: "Wilhelm Busch"; Metzler Verlag, Stuttgart, 1977; 115 S., 9,80 DM.

Es illustriert mit seinen Hunderten von Literaturnachweisen ein Grunddilemma der Busch-Rezeption: Die "oft extreme scheinbare Eindimensionalität der Gestalten ..., das bewußt Skizzenhafte und Unvollständige... ... verführt dazu, daß der eigene Standpunkt des Interpreten, sein Vorverständnis, sein ‚Erkenntnisinteresse‘ die Lücken füllt und Buschs Bildergeschichten zur Illustrierung fast jeder Weltanschauung dienen können".

Das "Erkenntnisinteresse" des Bloch-Schülers Gert Ueding geht dahin, uns den Menschen Wilhelm Busch als konsequentes, genial verkorkstes und ramponiertes Produkt seines Saeculums vorzuführen –

Gert Ueding: "Wilhelm Busch – Das 19. Jahrhundert en miniature"; Insel Verlag, Frankfurt, 1977; 431 S., Abb., 32,– DM.

"Buschs Blick blieb auf das 19. Jahrhundert gebannt, indem er aber hartnäckig dessen Grenzen visierte, war er auch, einem dialektischen Kernsatz zufolge, bereits darüber hinaus." Dies ist der Schlußsatz eines facettenreichen, anregenden Buches, das – seltsame Ironie – von seinem Untersuchungsgegenstand, Wilhelm Busch, permanent sabotiert und unterlaufen wird. Der Autor ist ständig in Gefahr, den dogmatisch-marxistischen Boden unter den Füßen zu verlieren – womit, unterderhand, Busch an Boden gewinnt.

Die gescheiterte Revolution von 1848, die resultierende Resignation des Bürgertums, Buschs liebeleere Kindheit, die rigide Erziehung, sein "Scheitern" als Maler – all diese Fakten seines Sozialisationsprozesses lassen sich, so passend das alles scheint, eben nicht quasi mathematischideologisch zu einer Beweiskette addieren, an deren Ende einige im Triumphton vorgetragene Erkenntnisse stehen: "Ein Familienroman der Erniedrigung" – "Erstarrung und Persönlichkeitsverlust" – "Haushumorist wider Willen