Der SPD fällt die Wahl zwischen Johannes Rau und Diether Posser schwer

Von Gunter Hofmann

Düsseldorf, im September

Johannes Rau oder Diether Posser – zwischen den beiden Nachfolgekandidaten für den Ministerpräsidenten Heinz Kühn müssen sich die nordrhein-westfälischen Sozialdemokraten am 17. September entscheiden. In die SPD sind Rau und Posser am selben Tag eingetreten. Die Fama sagt, sie mögen sich; für qualifiziert gelten beide. Politisch, so beteuern sie selber, trennten sie nicht Welten. Also handelt es sich nur um eine schwierige Personalentscheidung, aber grundsätzlich um eine leichte, Wahl?

Bonn schaut seit je gebannt auf Düsseldorf. Der sozial-liberalen Koalition im Bund lieferten die Nordrhein-Westfalen 1966 das Modell – später auch den Rückhalt und jede Kohlenkrise, wie die aus dem Jahre 1969, ruft Bonn auf den Plan; Helmut Schmidt eilte damals – von Rau gerufen – als Retter nach Düsseldorf. Plaudert Horst-Ludwig Riemer, Parteivorsitzender einer starken, aber auch ein wenig richtungslosen FDP, über die Zukunft der Koalition im Land, blicken die Partner im Bund irritiert in die Provinz. Bei einem Düsseldorfer Veto gegen die Lohnsummensteuer-Abschaffung kann kein Kanzler einfach "hart" bleiben; am Samstag suchen die SPD-Herren aus dem Revier beim Kanzler die Versöhnung.

Heinz Kühn hatte schon vor zehn Jahren davon gesprochen, die Staffette "bald mal" einem Nachfolger zu übergeben. Aber andererseits hat er seitdem auch seine Kronprinzen inflationiert – mindestens vier, sagt einer von ihnen, seien es stets gewesen. Sogar die mehr oder weniger schmeichelhaften Etiketten für sie alle hat Kühn am Kaminfeuer eigenhändig verliehen. Teile und herrsche, wie auch immer: Heinz Kühn kennt das politische Geschäft.

Der Regierungschef habe die Kabinettssitzungen hervorragend geleitet, rühmt zwar Posser, "wie man das sonst nur guten Juristen nachsagt". Aber der Abschied nach zwölf Jahren fällt für Heinz Kühn ein bißchen schmerzlich aus. Denn über viele überzeugende Führungskräfte hat der Regierungschef in der letzten Zeit nicht mehr verfügt; das verdeckt auch sein freigiebig gespendetes Lob für seine Minister nicht. Das Kabinett blieb sich selbst überlassen. Die Zukunft des Schnellen Brüters in Kalkar, die Poullain-Affäre und das erfolgreiche Volksbegehren der Opposition gegen das Koop-Schulsystem haben viele Schwächezeichen sichtbar werden lassen. Viel ist auf die lange Bank geschoben worden, auf den Nachfolger kommt einiges zu.