Die Handelsfunktionäre der DDR bemühen sich, wenigstens das handelspolitische Klima zwischen den beiden deutschen Staaten freundlich zu halten. Erich Honecker machte bei seinem Rundgang auf der Leipziger Herbstmesse eine artige Visite bei der Hoechst AG und äußerte sich lobend über die Arbeiten am Chemiekombinat Schkopau, das die Hoechst-Tochter Uhde bis 1980 für rund eine Milliarde Mark baut. Hoechst hofft auf Anschlußaufträge, Thyssen auf eine Vereinbarung über technische Zusammenarbeit, und schon vor dieser Messe wurde der Abschluß eines Anlagegeschäfts mit der Klöcknerwerke AG vorbereitet. Klöckner soll in der Nähe von Zielitz für 120 Millionen Mark eine Kali-Granulierungsanlage bauen.

Die Klagen des DIHT über den Druck der DDR auf Abschluß von Gegengeschäften finden nur bei wenigen Interzonenhändlern ein Echo. Bei Anlagengeschäften bis zu neunzig Prozent Gegenlieferung, bei kleineren Abschlüssen vierzig Prozent – das ist die Regel und hat sich anscheinend eingespielt. Die DDR-Waren, die als Bezahlung angenommen werden, finden ihre Abnehmer, wenn auch manchmal unter Schwierigkeiten. Bequem ist das nicht, und vom Standpunkt der DDR aus eher kurzsichtig. Aber der Handel wächst weiter und wird in diesem Jahr neun Milliarden Mark übersteigen.