Im blutigen Bürgerkrieg in Rhodesien befinden sich die Koalitionen auf beiden Seiten der Front in der Auflösung. Die "interne Regelung" hat keine Erfolgsaussichten mehr.

Das erst am Wochenende bekanntgewordene Treffen Zwischen dem rhodesischen Premier Ian Smith und dem schwarzen Guerillaführer Joshua Nkomo im vergangenen Monat in Sambia droht alle Bündnisse und Absprachen im Rhodesienkonflikt umzukehren. Neun Stunden lang bemühten sich die Präsidenten der schwarzen Nachbarstaaten Rhodesiens während einer Gipfelkonferenz in der sambischen Hauptstadt Lusaka um einen Ausgleich zwischen den beiden Führern der rhodesischen Patriotischen Front, Joshua Nkomo und Robert Mugabe Nach Informationen aus Konferenzkreisen aber offensichtlich vergeblich.

Das Treffen mit Smith sei, so Nkomo, auf wiederholtes Ersuchen des rhodesischen Premiers hin zustande gekommen. Daran teilgenommen hätte der frühere nigerianische Außenminister Joseph Garba. Der sambische Präsident Kaunda habe im voraus von diesem Treffen gewüßt. Nach Worten Nkomos hat Smith ihm während des Gesprächs erklärt, daß er eine stabile Regierung in Rhodesien anstrebe, die von den in der Übergangsregierung sitzenden Schwarzenführern Muzorewa und Sithole nicht zu garantieren sei. Deshalb müsse die Guerillabewegung Patriotische Front "etwas tun". Was Smith damit im einzelnen gemeint hat, erläuterte Nkomo freilich nicht. Immerhin habe der rhodesische Regierungschef angedeutet, daß er zu einem Rückzug aus der Politik bereit sei.

Nkomo fügte hinzu, daß er und Mugabe einer Übereinkunft mit Smith dann nichts in den Weg legen würden, wenn dieser "es ernst meine". Allerdings würde dies eine völlige Auflösung der gegenwärtigen Regierung in Rhodesien und eine bedingungslose Übergabe der Macht an die Patriotische Front voraussetzen.

Inzwischen hat auch der rhodesische Premier Smith sein Zusammentreffen mit Nkomo offiziell bestätigt. Von einer Übernahme der Macht durch Nkomo sei dabei allerdings nicht die Rede gewesen. Das Gespräch habe lediglich "der Kontaktaufnahme und Erkundungszwecken" gedient. Dennoch löste die Smith-Erklärung in Salisbury erhebliche Unruhe aus. Nach ersten Stellungnahmen der schwarzen Regierungsmitglieder Muzorewa und Sithole könnte dieser geheimgehaltene Versuch von Ian Smith, die Patriotische Front durch Angebote an Nkomo auseinanderzubrechen, auch zum Ende der schwarz-weißen Koalition in Rhodesien führen.

Ärger hat sich Nkomo durch dieses Manöver aber auch seinerseits mit den Regierungschefs der fünf Frontstaaten Moçambique, Tansania, Botswana, Angola und Sambia eingehandelt. So bezeichnete der tansanische Präsident Nyerere das geheime Treffen als "unsinnig". Es sei dadurch nichts erreicht worden, und es werde keine weitere Begegnung dieser Art geben. Denn Smith wolle nicht etwa die Macht in Rhodesien abgeben, sondern versuche lediglich, die Patriotische Front und, falls möglich, auch die Frontstaaten zu spalten,

Die Verwirrung über die Gründe, die Nkomo und Smith in Sambia zusammengeführt haben und über den tatsächlichen Inhalt der dort stattgefundenen Gespräche ist jedenfalls vollständig. Fest steht lediglich, daß sie ein Eingeständnis des Scheiterns der schwarz-weißen Übergangsregierung und damit der "internen Regelung" in Rhodesien sind.