Österreichs Bundeskanzler Bruno Kreisky hält Ost-Juden für verquer und unfähig zum politischen Kompromiß. Israel ist für ihn ein Polizeistaat, Israels Ministerpräsident Begin – in Rußland geboren – eine Krämerseele. Israelische Soldaten vergleicht er mit Banditen.

Kreisky kümmert es wenig, wenn er Beifall von den Antisemiten in aller Welt bekommt. Er hat einfach seinem Herzen wieder mal Luft gemacht. Wegen seiner eigenen jüdischen Abstammung ist er davor geschützt, selber für einen Antisemiten gehalten zu werden. Und die Zornesausbrüche aus Israel gehen ihm nicht unter die Haut.

Kreiskys Nahost-Politik freilich peinigt die Israelis seit langem: Er hat das Aufnahmelager bei Wien für jüdische Emigranten aus dem Ostblock geschlossen; er hat die PLQ-Vertretung nach Wien geholt, und er hat die jüngste israelische Strafaktion im Süd-Libanon so scharf verurteilen lassen, als hätte ein israelisches Kommando die Hofburg gestürmt.

Warum Kreisky so denkt wie er spricht – dies zu erforschen, müßte man wohl in die Falten seiner Seele blicken können. Ob da, wie bei Karl Kraus und Heinrich Heine, Flucht vor der eigenen Herkunft hineinspielt, wer weiß es? Menachem Begin beeindruckt er damit kaum. Wahrscheinlich erreicht er das Gegenteil. Aber wenn es so wäre, hätte er auch wieder, recht.

E. N.