Madrid wird die Sorgen um seine ehemalige Kolonie Westsahara nicht los: Muß es nun zwischen Marokko und Mauretanien vermitteln?

Beide Länder hatten im November 1975 das phosphatreiche Wüstengebiet – mit spanischer Billigung – unter sich aufgeteilt, trotz des Protestes der Bewohner, deren Kampforganisation Polisario seitdem mit algerischer Unterstützung den Okkupanten das Leben schwermacht. Ihre überfallartigen Angriffe lähmten vor allem das schwache Mauretanien, das immer größere Hilfe von Marokko benötigte – zur Zeit stehen rund 10 000 marokkanische Soldaten in Mauretanien.

Am 10. Juli putschte dort das Militär, um den verlustreichen Kleinkrieg endlich zu beenden. Doch Marokko war nicht bereit, die Allianz aufzukündigen, und stellte mehrfach kategorisch fest, daß es weder einen Polisariostaat (etwa im mauretanischen Teil der Westsahara) noch eine Veränderung seiner Wüstengrenze akzeptieren werde. Rabat fürchtet eine Einkreisung durch Algerien und einen algerierfreundlichen Sahara-Staat.

Bei seinem Madrider Besuch mußte der mauretanische Außenminister Ende August noch eine weitere Drohung Rabats mitteilen: Marokko hatte seine – historisch begründeten – Ansprüche auf Mauretanien mit Blick auf die Sahara-Besetzung fallengelassen; nun scheint es bereit, wieder die alte Forderung nach einem großmarokkanischen Reich zu stellen. Seine 10 000 Soldaten sind eine ernstzunehmende Bedrohung für das kriegsmüde Mauretanien. –bi–