Von Thomas von Randow

Unbehagen an der Technik – wer hätte es nicht selber oft verspürt, nicht schon mehr als genug darüber gelesen. Ist also

Klaus Traube: "Müssen wir umschalten? – Von den politischen Grenzen der Technik"; Rowohlt Verlag, Reinbek 1978; 346 S., 22,–DM

ein überflüssiges, weil abermals vor der Hybris der Techniker und Technokraten warnendes Buch?

Nein. Zwar schildert der Autor auch – besonders eindringlich sogar – die erbärmlichen Folgen fortschreitender Technisierung unseres Daseins weiteren Wirtschaftswachstums und fortdauernder Ignoranz der Politiker gegenüber den Eigengesetzlichkeiten der Supertechnik. Doch er ist kein Maschinenstürmer, kein grüner Schwarz-Weiß-Maler. Klaus Traube ist seinem Thema nicht ideologisch verhaftet. Und er hat sein Buch nicht im Zorn geschrieben.

Dabei hätte er allen Grund dazu gehabt. Denn der ehemalige Manager in der Atomindustrie ist das Opfer einer skandalösen Abhöraffäre des Verfassungsschutzes. Traube aber hat sich nicht schmollend in den Winkel gesetzt, ist nicht zum Ankläger geworden. "Den Kopf frei von der Sorge – die allen Maschinisten der vielfältigen Organisationsmaschinen der Wirtschaft und des Staates, vom Bundeskanzler bis zum Gruppenleiter, eigen ist –, die anvertrauten Organisationsmaschinenteile vor dem wie Weltuntergang erscheinenden Stillstand zu bewahren", hat er die unfreiwillige Muße zum Lesen, Diskutieren und zum Nachdenken genutzt.

Das Resultat – "Müssen wir umschalten?" – weist die Sorgfalt und Besonnenheit des Autors aus, der zudem die Kenntnisse und Erfahrungen des Kernenergiefachmanns in seinen klugen, zuweilen etwas arg verschachtelten Text einbringt. Das Buch ist ein wahrer Augenöffner.