Der Direktor vertritt die jugoslawischen Firmen nach außen allein. Kann man sich auf ihn verlassen? Oder redet ihm die Arbeiterselbstverwaltung arg hinein? Diese und andere Fragen hat Peter Plötz vom Hamburger Institut für Wirtschaftsforschung (HWWA) für deutsche Unternehmer untersucht, die eine Kapitalbeteiligung mit jugoslawischen Betrieben suchen (Kooperationserfahrungen der Bundesrepublik Deutschland mit Jugoslawien, Hamburg 1974).

Das Ergebnis: Im Betrieb entscheidet der Direktor. Er ist meist Parteimitglied. – Weitere Informationen aus dem Bericht:

Die Macht der Arbeiterselbstverwaltung (ASV) und ihr Einfluß auf die Geschäftspolitik dürften nach allen Erfahrungen deutscher Investitionspartner nicht allzu bedeutend sein. Das relativ geringe Bildungsniveau der jugoslawischen Arbeiter mindert ihre formell starke Stellung in der ASV. Fundierte Stellungnahmen zu wirtschaftlichen und technischen Prozessen sind kaum zu erwarten. Hinzu kommt, daß die meisten Belegschaftsmitglieder kaum so mit ihrem Unternehmen verbunden sind, "daß sich ein tief verwurzeltes Verantwortungsgefühl hätte herausbilden können" (Ljubo Sirc: "Die Arbeiterräte in Jugoslawien" in Neue Zürcher Zeitung vom 27.10.1968). Der überwiegende Teil der Arbeiter wird damit abhängig von wenigen qualifizierten Kollegen, die zusammen mit den Direktoren und Abteilungsleitern tatsächlich den Betrieb leiten.

Auch ist die Belegschaft deutsch-jugoslawischer Gemeinschaftsunternehmen durch die sehr guten Arbeitsbedingungen und sozialen Leistungen (sanitäre Anlagen, gute und preiswerte Verpflegung, moderne Arbeitsplätze und so weiter) besser gestellt als die in rein jugoslawischen Betriebe.

Natürlich ist die Stellung des Direktors stark von seiner politischen Stellung abhängig. Den entscheidenden Einfluß auf Wahl und Ablösung des Direktors haben die Gemeinde – und Kreiskomitees des Bundes der Kommunisten, das Gemeindeparlament und einzelne politische Funktionäre.

Die Parteiführung nimmt zumindest bei Großunternehmen starken Einfluß auf die Besetzung der Führungspositionen. 97 Prozent der Direktoren jugoslawischer Unternehmen gehören dem Bund der Kommunisten an.

Nach Meinung unserer deutschen Gesprächspartner nutzt der Direktor seine starke Position überwiegend für eine zufriedenstellende Geschäftspolitik aus. Er handelt im Regelfall zur Zufriedenheit der deutschen Investitionspartner.