Von Brigitta Salvatori

Als selbst der ansonsten so kluge Ehemann mir nicht weiterhelfen konnte, nahm ich mein ganzes Spanisch zusammen und fragte Don Lorenzo, den alten Padre. Ich wollte angesichts des stolzen Felsmassivs der Picos de Europa wissen, was es mit dem sagenumwobenen König Pelayo auf sich habe, der hier im Tal von Covadonga so große Verehrung genoß. Ich wollte wissen, wieso man einen Goten, der in iberischen Gefilden als ein Eindringling betrachtet werden mußte, wieso ein solcher Fremdling zum König von Asturien ausgerufen werden konnte.

So geschah es um das Jahr 718 herum. Der festlichen Königssalbung war in der Bergwelt allerdings weit weniger Erfreuliches vorausgegangen. In den Jahren der maurischen Herrschaft in Spanien fehlte es nicht an einschlägigen Versuchen, diesen Söhnen der Wüste den Aufenthalt in Iberia so unerquicklich wie möglich zu gestalten. Und so gab es dann ab und an auch mal Gemetzel nach Art des Teutoburger Waldes. Aber der rechte Schwung kam erst mit dem aus Germanien stammenden Pelayo.

Die Völkerwanderung hatte dessen Ahnen auf die iberische Halbinsel gespült. Hier lebte er. Hier schlug er sich bereits in Jerez de la Fronten mit den Mauren herum. Und rief er schließlich auch zum ersten Widerstand gegen die arabische Besatzungsmacht auf. Natürlich kam dieser das wenig gastfreundliche Gebaren des Goten zu Ohren, sie rüsteten zu einer Strafexpedition. Und zwischen den zerklüfteten Abhängen des Monte Ausevo von Covadonga kam es dann zur erbitterten Fehde, in der – wie weiland Hermann der Cherusker – auch Pelayo dem Feind im Hinterhalt auflauerte und ihn Mores lehrte.

Der erste Sieg gegen die Araber auf spanischem Boden war errungen. Der Geist der Reconquista, der Rückeroberung, war geboren. Pelayo, der Held, wurde zum König gekrönt; er wählte Cangas de Onís am Rande der Picos de Europa zur Residenz.

Daran erinnerten wir uns angesichts der heiligen Kapelle von Santa Cruz in Cangas. Das Kapellchen gilt hier als das bedeutendste religiöse Bauwerk, es wurde etwa 775 von König Favila zum Andenken an seinen Vater und den großen Sieg von Covadonga errichtet. Hier bewahrte man auch das Eichenkreuz auf, das Pelayo während der Schlacht getragen haben soll. Es befindet sich heute in der Kathedrale von Oviedo.

Oviedo, die spätere Hauptstadt des alten Königreiches Asturien, war nur eine kurze Station auf unserer Reise durch die Historie. Von hieraus folgten wir der großen Straße N-634 zum 66 Kilometer entfernten Städtchen Arriondas, um dann dem Lauf des Rio Sella zu folgen. Hier im Herzen Asturiens ist die Landschaft gezeichnet von frischen Wiesen, saftigen Weiden und dunklen Wäldern; alles überragen die rauhen Gipfel der Cordillera Cantabrica. Am Fluß entlang kamen wir immer höher ins Gebirge, vorbei an kleinen Dörfern und Kapellen, bis nach Cangas de Onís.