Wer in Paderborn zur Gesamthochschule will ; muß den Hinweisschildern Universität" nachfahren. Mit dieser Beschilderung spricht die Stadtverwaltung der Bevölkerung aus der Seele. Die Paderbomer reden nur von : ,unserer Universität", das Wort "Gesamthochschule" (GSH) will den Ostwestfalen nur schwer über die Lippen. Das liegt nicht nur am spröden Technokratendeutsch, sondern hat auch historische Gründe. :

Für Paderborn begann mit der Gründung der Gesamthochschule 1972 die Renaissance als Uni , versitätsstadt. Bis, 1806 beherbergte die Stadt an der Fader diei älteste Universität Westfalens, 1614 vom Bischof von Fürstenberg gegründet. Aber die Preußen mächten die Alma Mater zu und ließen den Paderborhern nur noch eine katholisch theologische Fakultät.

; Als sich hundertsechzig Jahre später die" Chancebot, eine von fünf geplanten nordrheinwestfäli$chen Gesamthochschulen in die Stadt holen zu können, handelten die Paderbomer schnell Sie boten dem Düsseldorfer Wissehschäftsministerium Baugelände an und waren auch bereit, Geld zu geben. Alle Parteien im Stadtratwaren sich einig, und die CDU Mehrheit — Päderborn ist eine Hochburg der Christlich Demokratischen Union — störte sich nicht daran, daß ihre Partei im Düsseldorfer Landtag die Gesamthochschulen ablehnte. Der Wunsch der Paderborrierj wieder Hodhschülstadt zu werden, auch wenn die "Universität" einstweilen nur eine "Cesamthochschule" war, hatte nicht nur historisch Verklärte, sondern ganz gegenwartsbezogene praktische Gründe: Mehr äls die Hälfte der Paderboraer Abiturientenverließ die Stadt und kam nach Beendigung des Studiums nicht wieder zurück. Pur Industrien mit hohem wissenschaftlichtechnischen Ständard waren Stadt und Region wegen des Mangels an wissenschaftlichem Nachwuchs nicht attraktiv (Hier hat die Gesamthochschule bereits zu einer Veränderung beigetragen ) Stadtdirektor Wilhelm Ferlings zweifelt nicht an der Wirkung der neuen Hochschule: "Die Stadt ist lebendiger geworden, es ist etwas mehr Unruhe hereingekommen, und das tut gut Für. den einstigen Hochschulbaureferenten im Düsseldorfer Wissenschaftsministerium gilt auch der Grundsatz: "Wenn man die Jugendlichen in Paderborn und Umgebung halten will, muß man. ihnen die entsprechenden Ausbildungsmöglich, keitengeben; sonst wandern sie ab Der CDUPolitiker Ferlings steht mit dieser Ansicht dem Sozialdemokraten Johannes Rau, Wissenschaftsminister von Nordrhein- Westfalen, ziemlich nahe. Rau hat die fünf Gesamthochschulen seines Landes (Duisburg, Essen, Paderborn, Siegen und Wuppertal), geplant und verwirklicht nach dem Grundsatz: "Der Student muß nicht zur weit entfernten Hochschule pilgern, sondern die Hochschule muß zum Studenten kommen Gerade in ländlichen Gebieten entschließen sich Jugendliche eher zum Studium, wenn die Hochschule vor der Tür liegtDie Gesamthochschule Paderborn ist ein Beweis: Rund 80 Prozent der Studenten kommen aus der Stadt und der :

Region.

7500 Studenten besuchen eine Hochschule, die sich von den traditionellen Universitäten in der Lehre stark und in der Forschung teilweise unterscheidet. Alle Gesamthochschulen NordrheinWestfalens haben die Eigenschaft, "integrierte" zu sein. Einbezogen wurden die PädägQgiscjien Hochschulen (PH) und FachhochÄlfe $ auch ißPaderboärn, wo die PH Westfalen Lippe und dieIngenieur- und Wirtschaftswissensehaftlichf paäihpischule Südostwestfaieji in- der Ge- samthpchschule aufgingen. Paderborn hat noch : die jfsonderhejt, daß sich die Hochschule in vier Abteilungen gliedert: die zentrale Hochschule" ifi "der Stadt" und drei "Außenstellen in Hö xteiy Mesehede und Soest Das Studium ist an der Gesamthochschule an- s organisiert und gegliedert als an den Unisitätea Pe? Unterschied beginnt schon bei der Zulassung: Hebn Abwienten können sich auch Fachoberschüler für den selben Studiengang einschreiben, l Um Wissenslücken überbrücken zu können, werden den Studenten mit Fachhoch f schulreife "Brückenfcurse" in Englisch, Deutsch und Mathematik angeboten. Für den Rektor der Gesamthochschule Paderborn, Friedrieh :

Eüttler - sind Brückenkurse "kein Ersatz für das Abitur, sie könnennur in Teilbereichen Wissen vertiefen. WerVqn, den Nicht Abiturienten ein aehtseme striges, Studium, mit Diplomabschluß anstrebt, muß die Brück enkurße, erfolgreich absolviert h ben. Unabhängig vom Schulabschluß durchlaufen i alle ia ihrer jeweiligen Fachrichtung ein gemeinsames viersgmestriges Grundstudium, das mit " einer Zwischenprüfung abgeschlossen wird, ge- nauer sind es zw ei Verschiedene Arten von Prüfungen: Die eine berechtigt zum Hauptstudium I (6 Semester), die andere zum Hauptstudium II :

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