Zu unseren blühendsten Branchen gehört die Angst-Industrie. "Nein, so was wie Absatzkrise kennen wir gar nicht", erklärte mir Dr. Schreck, der Chefder "Interpanik", als ich ihm einen Besuch abstattete, "im Moment herrscht bei uns sogar Hochkonjunktur."

"Vielleicht wegen der geringeren Wachstumsraten ist unser Wachstum um 14,3 Prozent gestiegen. Auch um unsere Zukunft braucht uns nicht bange zu sein, der Angstbedarf bei unseren Konsumenten scheint geradezu unstillbar zu sein, und wir werden wohl zu Lieferfristen übergehen müssen."

"Aber wird dieser Bedarf nicht schon durch die natürlichen Ängste – vor Entlassung, Einsamkeit, Krankheit, Tod – gedeckt?"

"Diese sozusagen legitimen Ängste haben uns noch nie angst gemacht", sagte Dr. Schreck beneidenswert selbstsicher.

"Und wie ist es mit einer gewissen unlauteren Konkurrenz seitens des Staates und seiner untergeordneten Organe? Ich denke da etwa an Kernkraftpläne, Atommüllanlagen, politische Berufsängste, Ängste vor Schnüffelei, Todesschuß usw....?"

"Kratzt uns alles nicht. Im Gegenteil – alles, was das allgemeine Angstklima anheizt, begrüßen wir, denn davon können unsere Absatzchancen nur profitieren." –

"Unsere Verkaufsstrategie", gab er mir Bescheid, "beruht darauf, neue Ängste zu schaffen und die latent vorhandenen zu verstärken, vor allem, indem wir die normalen Proportionen verzerren. Unser Erfolgserlebnis besteht darin, einen einzigen, aber möglichst spektakulären Mord durch geschickte P.-R.-Arbeit so auszuschlachten, daß sich Millionen von Menschen abends nicht mehr auf die Straße trauen, selbst wenn die Zahlen für Kapitalverbrechen eine sinkende Tendenz aufweisen. Oder wenn es uns gelingt, mit einem einzigen Weißen Hai – eventuell eine Attrappe aus unseren Werkstätten – ganze Strände leerzufegen."