Franco und Fidel, der faschistische "Caudillo" und der kommunistische "Lider", hatten mehr gemein als kriegerischen Ruhm und diktatorische Macht: sie waren Blutsbrüder. Fidel Castros Vater stammte aus derselben nordwestspanischen Provinz, in der auch Franco geboren wurde: aus Galicien. Beide Führer vereinten in sich die Tollkühnheit des Don Quixote und die Schläue des Sancho Pansa. Der Kubaner hat dem Mutterland die Hilfe in schwerer Stunde nie vergessen: Als die Amerikaner sein Regime durch einen Boykott auf die Knie zwingen wollten, steiften ihm die Spanier wirtschaftlich den Rücken. Der Premierminister des neuen demokratischen Spanien heimste jetzt den Dank ein, als er jubelumtost in Havanna einzog.

Spanien hat seine ehedem wichtigste Kolonie und einen seiner wichtigsten Kunden wieder ins Herz geschlossen. Der Besuch des Adolfo Suárez, dem bald ein Gegenbesuch Fidel Castros in der väterlichen Heimat folgen soll, beflügelt die politische Phantasie nicht nur der Lateinamerikaner. Wird König Juan Carlos zum Protektor eines atlantischen Commonwealth spanischer Zunge, eines Reiches im Geiste und im Handel? Kann Spanien, der neue Freund Kubas und der Verbündete Amerikas, zwischen Havanna und Washington vermitteln? Kann es Fidel Castro ein wenig aus der sowjetischen Umarmung lösen, sein militärisches Aufgebot in Afrika zur friedensfördernden Mission umwandeln helfen? Wie auch immer – Castro bleibt ein gefragter Mann, heute in Addis Abeba, morgen in Madrid. Kn.