Der Vorschußlorbeer ist längst verwelkt. Karl-Günther von Hase, seit über einem Jahr Intendant des ZDF, schulmeistert seine Mitarbeiter, wie weiland die ausgedienten Feldwebel des Alten Fritz, als sie den jungen Preußen das ABC eintrichterten.

Vor dem Hauptausschuß des Landtags in Düsseldorf erklärte Hase, was er von seinen Leuten hält: "Es gibt einen großen Unterschied in der Arbeitsweise zwischen Journalisten, die bei den Print-Medien (Zeitungen) arbeiten und Journalisten, die bei den sogenannten schnellen elektronischen Medien arbeiten. Es ist gar keine Frage, daß mit größerer Präzision, mit größerer geistiger Konzentration und auch mit dem Maß größerer Nachprüfbarkeit der Arbeit bei den Print-Medien gearbeitet wird. Infolgedessen gibt es doch eine ganze Reihe von Kollegen, die meinen, daß es sich etwas leichter bei Funk und Fernsehen leben läßt, als in der scharfen Zucht einer guten Zeitung."

Der Redakteurausschuß und die "Hierarchenrunde" des ZDF waren betroffen. In einem Brief des Ausschusses beschuldigte dieser Hase, leichtfertige Behauptungen aufzustellen. In einer Antwort bekräftigte Hase seine unterschiedliche Meinung von schreibenden und TV-Journalisten. Der Aufforderung, sich in dieser Angelegenheit einer Redaktionsvollversammlung zu stellen, wich der wackere Preuße aus.

Von Hase gibt es viele Sinnsprüche: über die Ausgewogenheit des Programms oder über die Parteien – "unsere erste Loyalität gehört der Anstalt und nicht den Parteien" – über Staat und Kirche – "es ist kein Zweifel, daß das ZDF schon vom Staatsvertrag her der Kirche stärker verbunden ist" – "Das ZDF hat nicht im politischen, sondern im staatserhaltenden Sinn einen mehr konservativen Charakter". Und Hase wird, wie viele seiner ARD-Kollegen, schwach, wenn die Partei, der er sich verpflichtet fühlt, den Finger hebt. Mag es bei vielen ARD-Kollegen die SPD sein, bei Hase ist es die CDU.

Folgender Fall: Die Leitung der Sendereihe Länderspiegel ist neu zu besetzen. Chefredakteur Reinhard Appel und Leiter der Hauptredaktion Innenpolitik Horst Schättle wollten den eher etwas betulichen Länder-Reigen aufmöbeln. Ihr Kandidat: Helmut Schimanski. Ein anderer Kandidat, der sich selber ins Spiel brachte und von der Mehrheit der politischen Redakteure für den von der Sache her qualifiziertesten gehalten wird: Otto Wilfert. Sein Handikap: gewerkschaftlich orientiert, Mitglied der SPD, einer der Initiatoren der Statutenbewegung im ZDF – und (zu?) meinungsfreudig.

Für den Intendanten sind sowohl Appels und Schättles Kandidat, wie auch Otto Wilfert nicht akzeptabel. Sein Argument: Ein CDU-Mann müsse dem Länderspiegel Vorsitzen, da ja die Mehrheit der Länder in den Händen von CDU/CSU seien. Proporz nun auch für eine Sendung, die lediglich Teil einer klar umrissenen Redaktion ist. "Ich rede keineswegs dem Proporz das Wort", so Hase. "Mir geht es um die Besetzung mit einem qualifizierten Redakteur, der dem Gesichtspunkt der gesamtpolitischen Zusammensetzung der Länder Rechnung trägt."

Telebiss fürchtet, Hase weiß nicht, was er da anrichtet. In dem Sammelband "Phänomen Fernsehen" schrieb der frischgebackene Intendant vor einem Jahr: "Wir dürfen nicht zulassen, daß die Parteien über eine gezielte Personalpolitik die elektronischen Medien zu ihren partiell aufgeteilten Sprachrohren machen." Doch nun macht er’s selber – im Namen der Partei.