Halbherzige Bemühungen Bayerns um die Rettung von Arbeitsplätzen

Schon lange war man in München gar nicht glücklich über das mitten im Wohnviertel Westend plazierte, dazu nicht gerade umweltfreundliche Stammwerk der Metzeler Kautschuk AG. Doch als der Aufsichtsrat des zum Chemiekonzern Bayer gehörenden Unternehmens jetzt den Beschluß faßte, die Reifenproduktion der traditionsreichen Firma (mit Ausnahme der Zweiradreifen) ganz aufzugeben, und damit die Existenz der Fabrik mit ihren rund 2500 Beschäftigten in Frage stellte, da hagelte es begreiflicherweise von allen Seiten Proteste.

Die Münchner SPD-Stadtratsfraktion, zum Beispiel, hatte nun endlich Gelegenheit, den alten Vorwurf der CSU, die angebliche Wirtschaftsfeindlichkeit der Sozialdemokraten vergraule die lokale Industrie, zu kontern: "Das CSU-Wirtschaftsministerium fordert so ein alteingesessenes Werk praktisch zur Umlegung auf." Minister Anton Jaumann nämlich hatte aus der Einsicht, daß sich in München selbst kaum ein Quartier werde finden lassen, Hilfe für eine mögliche Neuansiedlung des Unternehmens an einem "kulturpolitisch interessanten Ort in Bayern" in Aussieht gestellt.

Dafür aber kämen ohnehin nur die relativ kleinen Bereiche Freizeit und Streicherei (Stoffbeschichtung) mit zusammen nur 55 Millionen Mark Umsatz und 270 Mitarbeitern in Frage. Und um diese Produktion auf der grünen Wiese anzusiedeln, wären rund fünfzig Millionen Mark erforderlich. Die zunächst geplante Verlegung ins Metzeler-Werk Breuberg im Odenwald würde aber nur sechzehn Millionen Mark Investitionen zuzüglich zwei Millionen Mark Umzugskosten erfordern und zudem die Chance geben, den Beschäftigtenstand in dem ebenfalls von Reifenstillegung schwer betroffenen Werk mit rund 1400 Mitarbeitern stabil zu halten.

Bei Jaumanns Vorschlag handelt es sich also. offensichtlich um bayrische Rückzugsgefechte. Auch wenn es demMinister gelänge, einen anderen Standort in Bayern ausfindig zu machen: Die Münchner Arbeitsplätze wären dadurch schließlich nicht zu halten.

Metzeler-Boß Wolfgang Trautwein spricht denn auch von der "ungeheuren emotionalen Welle", die nun auf Metzeler zukomme und auf die man Rücksicht nehmen müsse. Beispiele dafür gibt es schon: DGB-Chef Heinz Oskar Vetter hat den "Herr-im-Haus-Standpunkt der Kapitalbesitzer" kritisert und die DKP hat, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, dem Chemiekonzern Bayer vorgeworfen, er wolle "lukrative Geschäfte mit dem hochwertigen Grund und Boden inmitten des Münchner Stadtzentrums" machen.

Auch wenn Bayer jetzt als der Buhmann und Liquidator dasteht: Schon unter dem früheren Metzeler-Besitzer Willy Kaus, der sich im übrigen immer noch vor mehreren Gerichten mit Bayern um den endgültigen Kaufpreis streitet, war die Lage des Münchner Metzeler-Werkes recht labil. Bereits Ende der sechziger Jahre wurden bei den besorgten Förderstrategen der bayerischen Ministerien Überlegungen angestellt, wie man dieses Werk dauerhaft absichern könnte. Aber Kaus wollte die Schwierigkeiten damals nicht wahrhaben. Auch Bayer hat sich zunächst wohl noch einige Illusionen gemacht, die aber bald verflogen. Die Reifen allein brachten in fünf Jahren seit der Übernahme über 240 Millionen Mark Verlust.