Von Hanspeter Detmer

Er ist der einzige Asiate in der deutschen Fußball-Bundesliga, und er wird sicherlich auch der einzige ausländische Bundesliga-Kicker sein, bei dessen Transfer die Schwiegermutter eine entscheidende Rolle spielte. Yasuhiko Okudera jedenfalls hätte damals, im Oktober 1977, nicht den Sprung von Japan nach Deutschland riskiert, wäre seine Schwiegermutter nicht auch bereit gewesen, die Koffer zu packen. Und der 1. FC Köln hätte auf einen Mann verzichten müssen, der in der Schlußphase der letzten Saison – gegen Stuttgart, Kaiserslautern und den FC St. Pauli – vier entscheidende Tore für die Kölner erzielte. Wer weiß, wie ohne die Schwiegermutter des guten Yasuhiko Okudera die deutsche Fußballmeisterschaft 1978 sonst ausgegangen wäre.

Der Japaner Okudera weiß natürlich, daß die Geschichte mit der Schwiegermutter ihre belustigende Wirkung bei den Deutschen nicht verfehlt. Aber es steckt mehr dahinter; und diese Story symbolisiert auch die Isolation, in der die Okuderas leben. In einer Umwelt, in der Yasuhiko Okudera und seine Frau Miyako wegen ihrer Sprachschwierigkeiten in Deutschland nur schwer Kontakt finden konnten, bot die sprachgewandte Schwiegermutter Schutz und Zuflucht für das junge Ehepaar. Sie war es vor allem, der es gelang, die auf Verständigungsschwierigkeiten basierende Isolation des jungen Paares abzubauen; und Yasuhiko Okudera kann heute von sich behaupten, daß er und seine Frau sich in Köln "sehr gut" fühlen.

Bei all dem Gerede über Geld, Tore und Formkrisen werden häufig die Anpassungsschwierigkeiten der Ausländer im bezahlten deutschen Fußball allzu leicht übersehen. Für den Japaner Okudera jedenfalls waren sie am Anfang riesengroß. Immerhin hatte er es gewagt, den Versuch zu unternehmen, in einer ihm völlig fremden Welt Fuß zu fassen. Wie aber kann sich ein Japaner, dessen Vorstellung von Höflichkeit und Hilfsbereitschaft in seiner neuen Umgebung, kaum verwirklicht wurde, in einer Berufskaste zurechtfinden, in der knapp 400 Profis aufs härteste um die wenigen gut dotierten Arbeitsplätze rangeln?

Nun, Okudera schaffte es. Seit einem Jahr ist er jetzt in Deutschland, und er will noch gern zwei Jahre bleiben. "Man weiß nie", sagt er lächelnd, "vielleicht weniger, vielleicht mehr,"

In Japan hatte er einen gesicherten Beruf als Computer-Operator, bevor er das Wagnis einging, Profi-Fußballer im fernen Deutschland zu werden. "Es war nicht nur die Verlockung, in Deutschland sechsmal mehr als in Japan verdienen zu können", sagt er. Und das ist glaubhaft; denn das Angebot des 1. FC Köln lehnte er zunächst einmal höflich ab.

Am Ende aber trieb ihn die "ängstliche Neugier". Seine 40 Länderspiele für Japan waren Schall und Rauch für ihn im Vergleich zu der Verlockung, in der deutschen Fußball-Bundesliga spielen zu können; zumal er nicht "von irgendjemanden gerufen wurde", sondern von "Hennes" Weisweiler. "Und der ist sogar in Japan ein Markenbegriff", sagt Okudera. "Ich wäre zu keinem anderen Trainer nach Deutschland gegangen."