Saarbrücken

Weil sie die ewigen personellen Querelen innerhalb der CDU an der Saar satt hatte, beschloß sie mit Blick nach Bayern, daß "etwas passieren muß". Elke Hunsicker; 29 Jahre alt und erfolgreiche Geschäftsfrau, wurde aktiv: Sie gründete den "Freundeskreis der CSU im Saarland". Und weil sie nie halbe Sachen macht ("Ich habe hält einen Dickschädel"), soll dieser Freundeskreis richtungweisend für andere Bundesländer werden. In diesen Tagen eröffnet er in der Saarbrücker City seine Geschäftsstelle – die erste außerhalb Bayerns.

Er hat auch als erster Freundeskreis außerhalb Bayerns eine Satzung erarbeitet, was "bei kleinen und großen Organisationen" in anderen Bundesländern auf "lebhaftes Interesse" stoße, sagt die Vorsitzende des Saar-Freundeskreises, Elke Hunsicker, nicht ohne Befriedigung. Denn für sie steht fest: Es wird eine bundesweite CSU geben, weil es sie geben muß. Und wenn es sie gibt, dann wird an der Saar schon beste Vorarbeit geleistet sein.

Vorerst aber betont Elke Hunsicker: "Wir sind ein selbständiger Verein, unabhängig nach allen Seiten, mit eigenen Vorstellungen"; doch Geld komme nicht aus Bayern. Natürlich beständen enge Kontakte zur CSU-Zentrale, dafür gibt es eigens das Amt des "Hauptvorstands" im Vorstand. Spenden jedoch gingen nur von Privatpersonen ein, genug allerdings für eine solide finanzielle Basis, wenn man die Mitgliedsbeiträge von 10 Mark (CDU-Mitglieder zahlen die Hälfte) dazurechnet.

Doch ob mit oder ohne bayerische Hilfe: Der Freundeskreis wächst schnell. Fast 700 Mitglieder soll er schon haben – aber ihre Namen bleiben geheim, wenn dies gewünscht wird: "Wir wollen nicht mit Prominenz hausieren gehen", umschreibt Elke Hunsicker eher diskret denn bescheiden die Tatsache, daß die Hälfte des Freundeskreises gleichzeitig auch CDU-Mitglied ist – und einige sind eben prominent. Viele kommen aus Sympathie zur CSU, viele aus Unzufriedenheit mit der CDU, was oft das gleiche bedeutet.

Das Verhältnis zur CDU beschreibt Elke Hunsicker mit der Devise: getrennt marschieren doch vereint siegen. Doch das Ziel der Arbeit klingt weniger freundlich als solche Sympathie-Erklärungen. "Sucht Mitglieder, sammelt euch, stärkt euch, kümmert euch vorerst nicht um Politik", heißt die Parole von Elke Hunsicker, wohl wissend, daß die Suche bei unzufriedenen CDU-Mitgliedern besonders erfolgreich ist.

Auch sie ist seit Anfang des Jahres Mitglied der CDU und wurde drei Monate später schon in den Vorstand der Mittelstandsvereinigung gewählt. Sie ist ehrgeizig und resolut und hat klare Vorstellungen vom Aufbau des Freundeskreises. Als erstes muß er stark werden. Sieben Ortsvereine bestehen bereits, bis Jahresende sollen fünf weitere folgen. Im nächsten Jahr sind Kommunalwahlen im Saarland und Europa-Wahlen, 1980 die Bundestagswahlen. Zu welcher Wahl man antreten will, ist noch nicht ganz klar, aber man will. Falls es aus irgendeinem Grund keine bundesweite CSU geben sollte, dann ist der CSU-Freundeskreis stark genug, innerhalb der CDU an der Saar ein Wort mitzureden – für Elke Hunsicker besteht daran kein Zweifel.