• Die Bundesregierung bereitet ein Umweltchemikaliengesetz vor, das vorsieht, alle neuen Stoffe, die in den Verkehr kommen, vorher anzumelden und auf ihre Gefährlichkeit für Mensch und Umwelt zu prüfen. Was hält die Chemieindustrie davon?

Peine: Die chemische Industrie ist an der Vorbereitung mitbeteiligt. Sie hält eine Regelung für richtig. Sie sollte allerdings nicht zu detailliert sein, sondern im wesentlichen eine Rahmenregelung enthalten, um uns viel Papierkrieg und viel Bürokratie zu ersparen.

  • Nun sind aber eine Reihe von Bedenken aus der Industrie geäußert worden. Worauf beziehen sich die?

Peine: Die Bedenken richten sich einmal dagegen, daß eine umständliche Durchführung geschaffen wird. Man sollte sich im Gesetz auf die wichtigsten Grundzüge und Rahmenrichtlinien beschränken und die Ausführung im wesentlichen in der tatsächlichen Eigenverantwortlichkeit der Industrie lassen. Der Punkt, der uns Kummer macht, ist der, daß die Innovation weiter leidet. Jedes neue Produkt ist ein zartes Pflänzchen, daß nur mit viel Initiative den Weg bis zur Markteinführung findet. Wenn nun eine umständliche Bürokratie mit langjährigen Anmeldeformalitäten hinzukommt, wird das die Innovation nicht gerade beflügeln. Wir Deutsche leben aber von neuen speziellen Produkten.

  • Muß aber nicht doch die letzte Verantwortung beim Staat liegen, wenn man an solche Giftkatastrophen wie in Seveso denkt?

Peine: Wir Deutsche sind ein Volk, das Gesetze genau beachtet. Da kann auf die Kontrolle eines jeden Handgriffes, verzichtet werden. Die Verantwortlichkeitkann ohnehin niemand der Industrie abnehmen. Wenn etwas passiert, sind es vor dem Gesetz in jedem Fall die Hersteller, die die Verantwortung haben. Wichtig ist, daß im deutschen Raum und im EG-Raum die gleichen Grundprinzipien für die Behandlung und die Prüfung der Stoffe gelten, um nicht weitere Handelshemmnisse zwischen den einzelnen Ländern aufzubauen.

  • Wenn man nun auf überall geltende gleiche Bedingungen wartet, dann wird das aber sicher zu Verzögerungen führen.