Einen „Kampf ohne Gnade“ gegen die Befreiungsbewegung der „Sandinistas“ hat der nicaraguanische Diktator Somoza angekündigt.

Am dritten Tag des Sandinista-Aufstandes gegen das Regime Somoza haben die Einheiten der Nationalgarde die Kontrolle über die Schlüsselstellungen der Aufständischen nach Rundfunkmeldungen weitgehend wiedergewonnen. Die Regierung sprach am Dienstag von einem „größtmöglichen Erfolg“ bei ihrer von Panzern und Flugzeugen unterstützten Offensive gegen die Aufständischen in den Städten Masaya und Esteli. Offizielle Angaben über Verluste wurden nicht gemacht. Sie sollen in die Hunderte gehen.

Augenzeugenberichte aus Leon bestätigten inzwischen, daß die Nationalgarde auch in dieser zweitgrößten Stadt des Landes die Lage wieder fest in der Hand hat und nur noch an einzelnen Stellen auf den Widerstand bewaffneter Jugendlicher stößt. In Esteli, das in der Nacht zum Dienstag über Hubschrauber Truppenverstärkungen erhalten hatte, ging die Nationalgarde wieder zum Angriff über. In Masaya, das von einem völligen Wasser- und Stromausfall betroffen war, richtete das Rote Kreuz am Stadtrand eine Eiste-Hilfe-Station ein, nachdem Regierungstruppen den Ambulanzen den Zugang ins Stadtzentrum verwehrt hatten. Die Aufständischen beschuldigten US-Präsident Carter, er habe Somoza 300 Söldner aus den Nachbarländern geschickt.

Um ihre Glaubwürdigkeit zu beweisen, hat die Regierung für den 5. Oktober eine Einladung an die interamerikanische Kommission für Menschenrechte ausgesprochen. Die Kommission soll sich während des Besuchs „mit eigenen Augen von den Bemühungen des Präsidenten zur Respektierung der Menschenrechte überzeugen“, erklärte der Regierungssprecher.

Inzwischen hat Somoza das Gerücht zurückweisen lassen, er sei bereit, zugunsten eines seiner Neffen zurückzutreten. In Madrid nannte unterdessen ein Sprecher der Sandinistas als Hauptziele seiner Organisation die Bildung einer provisorischen Regierung aus Vertretern aller demokratischen Oppositionsgruppen, die Enteignung des „Somoza-Clans“ und die Gründung eines „wirklich nationalen Heeres“. Die Familie des jetzigen Präsidenten Anastasio Somoza Debayle beherrscht das Land seit 41 Jahren.

U. V.