Der flotte Absatz beider Tranchen der neuen Bundesanleihe läßt einen Stimmungswandel am Rentenmarkt erkennen. Er hat auch die privaten Sparer erfaßt. Da jedoch die Gefahr besteht, daß es bei einer konjunkturellen Belebung eines Tages auf dem Kapitalmarkt zu Knappheitserscheinungen kommt, die dann mit einem weiteren Zinsanstieg verbunden sein werden, bleiben auch in der gegenwärtig entspannten Situation die Anleihen mit kurzen und mittleren Laufzeiten bevorzugt.

Nachdem die Renditen der neuen 6- beziehungsweise 6,5prozentigen Bundesanleihe dem höheren Zinsniveau angepaßt worden waren, hat der Bund nunmehr auch die Zinsen seiner Bundesschatzbriefe heraufgesetzt. Er folgte damit zahlreichen Kreditinstituten, die vorher Zinszugeständnisse bei ihren Sparbriefen gemacht hatten.

Der Absatz der Bundesschatzbriefe mußte auch dringend aktiviert werden; denn in letzter Zeit waren täglich nur noch, für rund fünf Millionen Mark abgesetzt worden. Sie gingen hauptsächlich an Leute, die diese Papiere als Parkplatz für Gelder betrachteten, für die bessere Konditionen gesucht werden, als sie zur Zeit geboten werden.

Ein Vergleich der neuen Bundesschatzbrief-Konditionen mit denen der vorangegangenen Serie macht deutlich, daß sich Bonn nicht in die Rolle des Zinstreibers gedrängt wissen wollte. Zwar sind die Renditen für den sechsjährigen Typ A von 4,96 auf 5,44 Prozent und für den siebenjährigen Typ B von 5,21 auf 5,71 Prozent angehoben worden, doch der Eingangszinssatz von 3,25 Prozent ist unverändert gelassen worden. Er liegt mit 0,75 Prozent über dem Spareckzins.

Um so kräftiger ist der Zinssprung im zweiten Sparjahr mit 1,75 Prozent auf 5 Prozent. Er tritt am 1. Oktober 1979 ein. Von da an können die jetzt ausgegebenen Bundesschatzbriefe zum Nennwert zuzüglich aufgelaufener Zinsen wieder zurückgegeben werden. Und hier liegt sicherlich der größte Vorteil gegenüber den üblichen Sparbriefen der privaten Kreditinstitute, die in der Regel eine vorzeitige Rückgabe nicht vorsehen; es sei denn, auch sie sind staffelweise verzinslich.

Der sechsjährige Bundesschatzbrief steht im Wettbewerb zu der letzten Bundesanleihe, deren sechsjährige Tranche eine Rendite von 6,2 Prozent bringt, falls man sie noch zu Originalbedingungen erhält. Das wird nicht mehr überall möglich sein, denn ihr Börsenkurs war bereits am Wochenbeginn auf 99,90 Prozent gestiegen; der offizielle Ausgabekurs liegt bei 99 Prozent. Viele Banken dürften allerdings für ihre privaten Kunden noch einige Posten zu Originalbedingungen bereithalten.

Die Anleihe hat den Vorteil, daß ihr Besitzer sofort in den Genuß der Rendite von 6,2 Prozent kommt, die beim Bundesschatzbrief über die gesamte Laufzeit gemessen ohnehin nichterreicht wird. Bezahlt werden muß der Zinsvorteil mit dem Kursrisiko, das jedoch nur dann von Bedeutung ist, wenn die Anleihe tatsächlich vor Ende der Laufzeit zu einem ungünstigen Kurs veräußert werden muß.