Bonn

Silbern glänzt der Prägedruck auf den Briefbögen, und klangvoll ist der Name: "Baugesellschaft zur Erhaltung historischer Wohngebäude." Erhalten will die Baugesellschaft mit dem gewichtigen Namen zum Beispiel das Haus Goebenstraße 26 in Bonn. Die Firma hat den neoklassizistischen Altbau gekauft. Agnes Brennig, Witwe, 84 Jahre alt, ist die letzte Mieterin. So wie den anderen Mietern wurde auch ihr gekündigt. Sie wohnt seit 1932 hier, seit 46 Jahren.

"Das ganze Haus haben sie geräumt", sagt sie. "Eigentumswohnungen wollen sie bauen." Sie hat im ersten Stock gewohnt, als ihre Kinder noch hier waren, später ist sie hinuntergezogen. "Damals wollten wir ausziehen, doch der Hausherr hat gesagt, bleibt wohnen, ich zieh in den Kottenforst, zieht runter. Jetzt ist es ’ne Baugenossenschaft oder wie die sich nennen..." Wohin Agnes Brennig nun soll, was mit ihr passieren wird, weiß sie nicht. In jedem Fall muß sie aus ihrer Wohnung ausziehen.

Die Gesellschaft mit dem silbern glänzenden Namen auf dem Briefkopf räumt seit etwa einem Jahr in der Bonner Südstadt auf, einem Viertel mit alten, meist neoklassizistischen Häusern. Vorwiegend ältere Bürger, Studenten und junge Familien wohnen hier.

Zur Stadt Bonn hat die Erhaltungsfirma gute Beziehungen. Gesellschafter der im Handelsregister Bonn mit der Nummer 2002 und einem Stammkapital von 21 000 Mark eingetragenen Baugesellschaft sind zwei graduierte Bauingenieure und der Rechtsanwalt Jürgen Vieth. Partner von Vieth ist der Bonner CDU-Politiker Helmut Brumhard, Sprecher für Liegenschaftsangelegenheiten und Wirtschaftsfragen seiner Fraktion. Das Anwaltsbüro des CDU-Politikers verschickt für die BEW Kündigungsschreiben. ‚Kommunalpolitisch gut abgefedert" nennt das der Vorsitzende des Bonner Mietervereins, Bernhard von Grünberg.

Mindestens sieben Häuser hat die "Baugesellschaft zur Erhaltung historischer Wohngebäude" seit ihrer Eintragung im Handelsregister schon gekauft. Hinter den alten Fassaden reißt sie die Häuser halb ab und baut im Betonstil luxuriöse Eigentumswohnungen. Noch während die alten Mieter im Hause wohnen, werden die Wohnungen teilweise verkauft. Die meisten Mieter sind den Argumenten der Gesellschaft gewichen – Argumenten der Denkmalspflege. In einem Kündigungsschreiben heißt es: "... würde eine Unterlassung der geplanten Maßnahmen der Zweckstellung der BEW einerseits und den Zielen des Landeskonservators, der auch dieses Haus als erhaltenswürdiges Baudenkmal eingestuft hat, widersprechen..."

Den Mietern, die nicht freiwillig ausziehen, droht die Firma zum Beispiel, mit den Bauarbeiten anzufangen. "Da war ein Herr da", sagt die Mieterin Gerda Schmidt in der Markusstraße – "der sagte, die Treppe wird demnächst abgerissen, und dann fragte der auch noch, ob wir hier wohnen bleiben wollten." Gerda Schmidt wohnt in der zweiten Etage.