"Lichtschatten du", Gedichte aus fünfzig Jahren von Albrecht Goes. Albrecht Goes, 1908 in einem württembergischen Pfarrhaus geboren, ist, der Familientradition folgend, Geistlicher geworden. Seine Gedichte sind literarische Gegenstücke zu seinen Predigten. Sie werden von einem moralischen und moralisierenden Impetus getragen, und sie gehen von metaphysischen Vorstellungen aus. "Falls ich, nicht fällt dein Haus. / Nicht stürzt, darin wir wohnen, / Haus du ob aller Häuslingen, / Nicht deine Ewigkeit" – so die letzte Strophe eines Textes aus diesen, aus unseren Jahren, dessen Untertitel "Kantate nach einem Gebet des Augustinus" lautet. Die lyrische Sprechweise des Autors hat sich seit einem halben Jahrhundert kaum verändert oder aktualisiert; es ginge an Wesen und Absicht dieser überlieferungsgebundenen Lyrik vorbei, führte man ästhetische und stilgeschichtliche Argumente an. Hier werden Dasein und geglaubter Welthintergrund noch auf eine Weise ausformuliert, die nie ernsthafte Beunruhigungen erfuhr durch Naturwissenschaften und gesellschaftliche Entwicklungen: "Wir können Dich, Kind / In der Krippe, nicht fassen. / Wir können die Botschaft nur / Wahr sein lassen." (S. Fischer Verlag, Frankfurt, 1978; 103 S., 18,– DM.)

Hans-Jürgen Heise

"So wos schüins mou ma soucha", Gedichte von Eugen Oker. So was Schönes muß man suchen – sagen wir: so was Originelles und Unverblümtes. Es handelt sich um Gedichte in oberpfälzischem Dialekt, die als achtzehnter Band der Mundartliterarischen Reihe erschienen sind und für einen vorwiegend im Hochdeutschen Geübten eigentlich in die Rubrik der verschlüsselten Kreuzworträtsel gehören. Das Schriftbild sieht so fremd aus wie Gälisch, und es eröffnet seine phonetisch verpackten Bedeutungen manchmal erst über das Ohr, also wenn man es lesend (oder sprechend) zu hören versucht. In argen Fällen hilft (manchmal) das kleine Glossar mit den Übersetzungen am Ende des Buches: "äizz" heißt jetzt, "hoo" ist der Hahn und "zummazhofbeiaren" die Summertshofbäuerin. Dem Einhören dient eine Schallplatte. Dann jedoch beginnen diese ruppigen Gedichte ihre eigenartige Faszination zu entfalten: Alltagsgedanken aus der (tiefen) Provinz, teils rührend durch ihre einfachen Wahrheiten – oder: die einfachen Wirklichkeiten, teils belustigend durch die Ironie, die dieser sehr bäuerischen Lyrik innewohnt. (Verlag J. P. Peter, Gebr. Holstein, Rothenburg o. d. T., 1977; 68 S., 1 Schallplatte, 19,80 DM.) Manfred Sack