Düsseldorf: Maurizio Mochetti

Auf dem Boden, an der Wand, in der Luft: Kampfobjekte. In Szene gesetzt werden unter anderem: ein alter Rennwagen, Modelle von Raketenflugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg, ein schwarzer Jagdpfeil. Maurizio Mochetti, Italiener, Jahrgang 1940, präsentiert sie in der Düsseldorfer Kunsthalle nicht ohne poetischen Reiz: Der Pfeil schwebt in Augenhöhe, im Rückspiegel des Autos erscheint die im Maßstab 1 : 24 gefertigte Reproduktion des Oldtimers, und das an der Wand montierte spielzeuggroße Kriegsflugzeug hat am vorderen Teil des Rumpfes nicht Schußwaffen, sondern einen Spiegel, der das Auge des hineinsehenden Betrachters reflektiert. Spröde nur auf den ersten Blick auch das Arrangement der weniger kampfbetonten Objekte des Konzept-Artisten. So erweist sich ein auf einem Sockel liegender, flacher, grauer Kasten beim Nähertreten als ein vom Ausstellungsbesucher zu bedienender Sender mit Drucktaste. "Beim Drücken der Sendetaste ertönt ein kurzer und schriller Ton, der von einem entfernt aufgestellten Empfänger ausgestrahlt wird", schreibt Mochetti zu dieser Arbeit. Außer solch knappen Informationen gibt es auf Wunsch des an der letzten Biennale beteiligten Künstlers auch im Katalog keine weitergehenden Erläuterungen zu den einzelnen Werken – in der sparsamen und nicht ungeschickten Ausstellungs-Inszenierung hat der Besucher den Raum, die Dinge, die Bilder für sich zu entdecken, zu sehen, zu überprüfen: zum Beispiel die Aufnahme eines Meeres, die "imaginäre Photographie einer Landschaft, deren Negativ spiegelverkehrt reproduziert wurde", oder ein Frauenporträt, das in der Mitte geteilt und wieder zusammengesetzt wurde. "Zur Wiederherstellung seiner Einheit wird eine der beiden Hälften symmetrisch verdoppelt" – ohne daß die Teilung, der Bruch zu übersehen wäre. Zwiespältiges anderer Art erzeugt am Ende auch die Düsseldorfer Schau: In einer Zeit, in der auch die dreißiger und vierziger Jahre modischer Nostalgie einverleibt werden und wieder Geschäfte zu machen sind mit Dingen und Emotionen aus faschistischer Zeit, setzen Objekte wie die im Kunstraum faszinierenden spielzeuggroßen Flugzeuge vom Baujahr ’44 schließlich nur spielerische (Kunst-)Zeichen. (Kunsthalle bis 29. September, Katalog 10 Mark).

Raimund Hoghe

Essen: "Giuseppe Penone"

"Müsset im Naturbetrachten immer eins wie alles achten. Nichts ist drinnen, nichts ist draußen: denn was innen, das ist außen" – ein (Goethe-)Zitat leitet den Katalog ein und deutet auf Ausgangspunkt und Intentionen des 31jährigen Giuseppe Penone, der sich in seinem konsequent realisierten Werk nachdrücklich auseinandersetzt: mit der Natur und dem menschlichen Körper, der Verbindung von Mensch und Umgebung, mit der äußeren Haut auch, die für ihn Schranke, Grenze, trennende Wirklichkeit ist, zwischen Individuum und Welt steht. Auf sie kommt Penone – Wie die Skulpturen, Zeichnungen und Photographien umfassende Ausstellung zeigt – immer wieder zurück. Zum Beispiel in der aus einer Diaprojektion eigener Hautabdrücke entstandenen 35 Meter langen Wandzeichnung "Druck", bei der er die Strukturen der Haut mit Kohle auf die "Haut" der Wand überträgt und einen Teil von sich Teil der Umgebung werden läßt, eine Verbindung herstellt und eine Schranke überwindet, die den Menschen trennt nicht nur von seiner Umgebung. Die kompromißlosen Versuche der Grenzüberschreitung unternimmt der Italiener ohne große Gesten, doch mit sicherem Gespür für poetische Bilder, So integriert er in einen ausgestellten grünenden Baum den Bronzeabguß eines Mundes, aus dessen Innerem ein Ast wächst, oder er läßt Kartoffeln die Formen menschlicher Gesichtsteile annehmen und legt die später in Bronze gegossenen Teile beiläufig. zwischen die Naturprodukte – Teile des Menschen werden, sind Teile der Natur. Giuseppe Penones Arbeiten untersuchen solche Beziehungen und auch die Spuren, die Menschen hinterlassen – zum Beispiel an und in den Dingen. Da werden etwa die Fingerabdrücke eines Töpfers auf einer Keramikvase gesichert, vergrößert, gezeichnet, nachmodelliert. Große Skulpturen entstehen, auf denen sich wieder neue Spuren finden lassen: diesmal die von Penone, den die Auseinandersetzung mit den Objekten, der Umwelt schließlich immer wieder zu sich selbst zurückführt. Die Erfahrung der Natur wird ihm zur Selbsterfahrung. (Museum Folkwang bis 1. Oktober, Katalog 8 Mark). Raimund Hoghe

Wichtige Ausstellungen

Baden-Baden: Alexander Rodtschenko – Fotografien 1920–1938" (Staatliche Kunsthalle bis 29. Oktober, Katalog 20 Mark)