Von Rolf Michaelis

in gefährlich schönes Buch. Und könnte banaler nicht sein: Auf rund hundert Seiten erzählt der 1946 in Wien geborene Autor von der Reise eines jungen Mannes mit dem Motorrad ans Meer, von Begegnungen an Raststätten, von Nächten in Kleinstadthotels, von flüchtigen Umarmungen mit namenlosen "Mädchen", vom Drogenhandel mit einem Freund.

Und doch kommt, wer sich auf diese hundert Seiten einläßt, so rasch nicht davon los. Beim Lesen gerät man in einen Sog kurzer, genau komponierter Sätze: "Einmal träumte ich von einem Land, das weit war, grün und weit. Bäche waren darin und Seen. Sie glitzerten. Und es war eine Art von Musik über dem Land, ein Tönen, und Bäume, Gras und Felsen standen drinnen wie erlöst,"

Der Paradies-Vision stehen Bilder von Industrielandschaften gegenüber: Städte unterm Dunst, die geometrischen Umrisse von Atomkraftwerken, Sinnbildern des "sauberen" Strahlentodes. Damit ist das andere Thema des Romans angeschlagen: die Todeshölle. "Der Himmel war niedrig, voll von Gewölk. Aus dem Bereich der Städte stieg ein andres Gewölk; es hatte etwas von Feuer. Und der Verkehr rollte und brauste von allen Seiten darauf zu ..., als suchte alles den Untergang." Und wiederholt – wie viele wichtige Sätze dieses schmalen Buches – das verzweifelte Bekenntnis: "Ich will leben, aber es gelingt mir nicht."

Peter Rosei gibt sich in seinem siebten Buch in sieben Jahren nicht zufrieden damit, die beiden Kräfte, die ihn zum Schreiben zwingen, auseinanderzudividieren: Lebenslust/Todestrieb. Auf sehr österreichische Weise zwingt er beides zusammen: Es lebt ja nur, wer sich der Vergänglichkeit bewußt ist.