Der Streit zwischen Banken und Sparkassen über das Eigenheim ohne Eigenkapital

Von Rudolf Herlt

Der Mann, so heißt es, müsse in seinem Leben ein Haus bauen, ein Kind zeugen und einen Baum pflanzen. Auf allen drei Gebieten leisten heute die Männer in der Bundesrepublik keine Rekorde. Die meisten von ihnen wüßten gar nicht, wohin sie den Baum pflanzen sollten. Dem Kinderzeugen ziehen viele – wie die Statistik beweist – aus welchen Gründen auch immer den folgenlosen Weg vor. Und zum Hausbauen kam bisher nur eine Minderheit, nur 38 Prozent der Haushaltsvorstände. So gesehen, ist die Zahl der richtigen Männer heute relativ klein.

Nicht einmal die Hälfte derer, die bei Repräsentativumfragen in ihrer Wunschskala das Eigenheim an erster Stelle nannten, konnten sich bisher ihren Wunsch erfüllen. Auf der Sonnenseite standen eben auch hier jene Männer (im Zeitalter der Emanzipation gilt das natürlich auch für berufstätige Frauen), die überdurchschnittlich gut verdienten. Obwohl der Staat nicht kleinlich war und bis 1977 den Eigenheimbau mit rund 180 Milliarden Mark durch direkte und indirekte Subventionen gefördert hat, blieben Haushaltsvorstände mit mittlerem Einkommen beim Wohnungseigentum unterrepräsentiert, von den Beziehern niedrigerer Einkommen ganz zu schweigen.

Der Traum vom Eigenheim wird auch bei vielen Besserverdienenden nicht wahr. Ihnen fehlen die eigenen Mittel – nämlich jenes Fünftel des Kaufpreises für ein Objekt –, die nach den üblichen Finanzierungsplänen als Eigengeld aufzubringen sind. Wer das Eigenkapital zusammenkratzt, weil er geerbt hat oder Omas Sparkonto plündern durfte, hat es relativ leicht. Drei Fünftel erhält er als erste Hypothek von Hypothekenbanken oder Sparkassen, das vierte Fünftel als zweite Hypothek von Banken, Sparkassen und Bausparkassen geliehen. Interessenten scheuten aber auch die hohe Anfangsbelastung durch Zinsen und Tilgungen, die sie in der Regel in einem Abschnitt ihres Lebens trifft, in dem ihr Einkommen noch nicht hoch ist.

Und so hat nach dem Kriege beinahe jedes junge verheiratete Paar resignierend festgestellt, daß es doch höchst ungerecht zugehe im Leben. Wenn das Haus dringend gebraucht wird, weil die Kinder klein sind, ist es unerreichbar, da das Geld zu knapp ist. Wenn es endlich reicht, sind die Kinder aus dem Haus, und man braucht es nicht mehr – zumindest nicht mehr so dringend.

Jede Bundesregierung war bisher davon überzeugt, daß die Bildung von Wohneigentum die politisch wichtigste Form der Vermögensbildung sei. Deshalb hat die öffentliche Hand kräftig geholfen, durch Wohnungsbauprämien, steuerliche Abzugsfähigkeit von Bausparbeiträgen, Abschreibungserleichterungen, Grunderwerbssteuervergünstigungen, Landesbürgschaften mit Bundesrückbürgschaften und schließlich über die beiden Wege zur Förderung der Eigentumsbildung im sozialen Wohnungsbau. Der erste Förderweg ist für die unteren Einkommensschichten gedacht, der zweite wendet sich an Bezieher mittlerer Einkommen. Ihnen hilft der Staat mit sogenannten Aufwandsdarlehen, die Belastungen aus Zins- und Tilgungsleistungen in den Anfangsjahren nach Bildung von Wohneigentum durch abnehmende Förderbeiträge erträglich gestalten.