Von Ulrich Schiller

Washington, im September

Bis Montag – so hatten die Prognosen gelautet, ehe mit dem Einzug der Gäste in Camp David die Gipfelkonferenz Carters mit Sadat und Begin begann. Das war am 5. September. Eine solche Erwartung von der Dauer des Gipfels mochte ungewöhnlich und kühn erscheinen, unrealistisch war sie nicht. Gäste wie Gastgeber hatten. sich mit Zeit und Geduld gewappnet, denn in diesem von kreuz und quer laufenden Kontroversen gezeichneten Stadium der Friedenssuche im Nahen Osten war allein schon die Teilnahme an einem Treffen von Camp David eine verpflichtende Entscheidung gewesen. Das galt für Präsident Sadat im Hinblick auf seine Autorität bei den Arabern genauso wie für Ministerpräsident Begin mit Rücksicht auf die gespaltenen Hoffnungen seines Landes. Beide gemeinsam standen sie in der Pflicht zur Ausdauer gegenüber dem amerikanischen Präsidenten, den sie so wenig brüskieren wollen, wie sie die amerikanische Öffentlichkeit enttäuschen möchten.

Inzwischen hat die Gipfelkonferenz Mitte dieser Woche ihre vierte Phase erreicht. Die letzte ist es nicht, vielleicht die vorletzte. Vieles spricht dafür, als hinge die Entscheidung darüber, wie das Ende der Konferenz aussieht, hauptsächlich von der Überzeugungskraft und der Entschlossenheit Jimmy Carters in dem eingeläuteten Schlußspurt ab.

Weil alle Teilnehmer strenges Stillschweigen bewahren, lassen sich über den bisherigen Ablauf der Konferenz nur Vermutungen anstellen. Das Drehbuch von Camp David könnte bislang folgendermaßen aussehen:

Phase eins: Nach einstimmenden, getrennten Vorgesprächen Carters mit Sadat und Begin kommt es zur Dreierbegegnung, dem eigentlichen Gipfeltreffen. Es dauert fast sieben Stunden und führt zur Klarstellung der Differenzen wie der Bereiche möglicher Übereinstimmung.

Phase zwei: Auf der Ebene der Minister und Berater wird weiter verhandelt. Israelis und Ägypter treffen jedoch nur inoffiziell in Speise- und Gesellschaftsräumen zusammen. Teilaspekte der nahöstlichen Friedensregelung, in denen Sadat und Begin übereinstimmen, werden präzisiert. Konferenzsprecher Jody Powell erklärt am Sonnabend, Fortschritt sei auf einigen Gebieten augenscheinlich erzielt worden, doch bestünden in anderen wichtigen Bereichen weiterhin wesentliche Differenzen.