Nach dem Abschuß einer Linienmaschine durch Kämpfer der "Patriotischen Front" nehmen die Auseinandersetzungen in Rhodesien weiter an Schärfe zu.

In seiner mit Spannung erwarteten Rundfunkansprache an die Bevölkerung hat der rhodesische Ministerpräsident Ian Smith am Sonntagabend die "Liquidierung" aller mit den Guerillas zusammenarbeitenden Organisationen, die Ausrufung einzelner Bestimmungen des Kriegsrechts und die Fortsetzung der Angriffe gegen Guerillalager in Sambia, Moçambique und Botswana angekündigt. Die erwartete Generalmobilmachung indes lehnte Smith als "zum gegenwärtigen Zeitpunkt unpraktisch" ab. Allerdings behalte er sich diesen Schritt vor.

Die 25 Minuten lange Rede des Regierungschefs von Rhodesien folgte eine Woche nach dem Abschuß eines rhodesischen Zivilflugzeuges und der Ermordung von zehn der achtzehn Überlebenden durch Guerillas. Seinen Landsleuten, die nach dem Massaker drastische Maßnahmen der Vergeltung erwartet hatten, sagte Smith: "Ich unterschätze nicht die Macht der Emotionen, die durch diese Tragödie frei geworden sind. Ich weiß, wie schwierig es da ist, kühle Logik zu bewahren. Aber es muß sein, ob es nun populär ist oder nicht, denn es liegt im Interesse Rhodesiens."

Die Kriegsrechts-Artikel, die Smith ankündigte, sollen die zivile Verwaltung des Landes weitgehend ungestört lassen. Die Hauptlast der Beschränkungen sei von den in Stammesgemeinschaften lebenden. Schwarzen zu tragen, sagte Smith. Die Schuld dafür gab er ohne nähere Begründung Großbritannien und den Vereinigten Staaten: "Ich hoffe nur, daß diese Länder nicht versuchen werden, die Verantwortung für das traurige Los dieser unglücklichen Menschen von sich abzuschieben."

Unmittelbar nach der Rede des Premiers setzte eine Verhaftungswelle vor allem unter Anhängern des Mitvorsitzenden der Patriotischen Front, Joshua Nkomo, ein. Nach Angaben der Polizei wurden über 250 meist untere und mittlere Funktionäre von Nkomos Zanu-Partei im Südwesten des Landes, der Heimat Nkomos, festgenommen. –

Trotz der Ankündigung von Smith in seiner Rundfunkrede, er werde die Guerillaorganisationen liquidieren, waren am Dienstag die Büros der offiziell nicht verbotenen Zanu-Parte in der Hauptstadt noch geöffnet. Nkomos Vertreter Josiah Chinamano sagte zu Journalisten am Telephon: "Ich warte noch immer, daß die Polizei mich abholt."

Zur gleichen Zeit sprach sich Nkomo in Lusaka gegen eine Allparteienkonferenz über Rhodesien aus. Angesichts der Verhaftung seiner Anhänger und der Verhängung des Kriegsrechts über einzelne Landesteile komme für ihn eine solche Konferenz nicht mehr in Frage. Wörtlich erklärte Nkomo: "Die Allparteienkonferenz ist tot und begraben. Die Sache ist erledigt. Smith hat den Krieg gewählt, und wir werden ihm auf dem Schlachtfeld entgegentreten." Nkomo gab ferner bekannt, das "Regime Ian Smith lasse täglich 30 bis 40 schwarze Zivilisten umbringen".