Wie die Migros-Genossenschaft ein Gerangel unter Groß Verlegern entschied

Wenn Max Frey am Morgen aufmacht, überlegt er sich als erstes, welchen Streich er heute Ringier spielen könnte." Ein Bonmot ist das aus Schweizer Verlegerkreisen, entstanden nach einer Reihe von Reibereien zwischen der Nummer drei (Jean Frey AG) und der Nummer eins (Ringier + Co AG) unter Helvetiens Großverlegern.

Den jüngsten Frey-Plan allerdings, mit einer eigenen Boulevardzeitung dem großen Konkurrenten eins auszuwischen, stoppte nicht Ringier, sondern der Schweiz mächtigster Einzelhändler, die Migros. Weil sie entgegen allen Erwartungen beschloß, ihr eigenes Boulevardblatt Die Tat, trotz großer Verluste, nun doch nicht einzustellen, wurde für das neue Frey-Projekt kein Platz am Kiosk frei.

Damit blieb Marktführer Ringier (Umsatz 330 Millionen Franken) in dieser Runde ohne eigenes Zutun Sieger über den mit 136 Millionen Franken Umsatz viel kleineren, aber unbequemen Rivalen. Die beiden Verlage liefern sich indessen nicht nur am Markt einen Kampf bis aufs Messer.

Ringier (bekannteste Titel: Schweizer Illustrierte, Tele) hält nämlich an der Frey-Gruppe (Weltwoche, Annabelle, Sport) diverse Minderheitsbeteiligungen 27 Prozent der Anteile der Frey-Hauptgesellschaft, je 46 Prozent an der Frey-Druckerei Obag und der Annabelle Verlags AG und 5,7 Prozent an der Weltwoche Verlags AG. Ende der fünfziger Jahre hatte Ringier, der als Mitglied des Frey-Clans Kasse machen wollte, die Hausherren, die ebenfalls kaufen wollten, überboten. Inzwischen wird der Minderheitsaktionär seines Engagements allerdings nicht mehr so recht froh.

Denn Ringier hat bei Frey auf Grund des Schweizer Aktienrechts, dessen Minderheitenschutz auf ein Minimum beschränkt bleibt, kein Sterbenswörtchen mitzureden. Frey verstand das zu nutzen: Immer wieder erhöhte er das Kapital seiner Firmen, und Ringier mußte, um nicht an die Wand gedrückt zu werden, nolens volens mitziehen. Mit Dividendenzahlungen hatte es Frey hingegen nicht besonders eilig. Nach zahlreichen gerichtlichen Auseinandersetzungen hätte Ringier-Chef Heinrich Oswald schließlich die Nase endgültig voll und zog vor das Bundesgericht. Sein Antrag: Auflösung der Jean Frey AG, die den Minderheitsaktionär "kraß vergewaltigt".

Doch die Bundesrichter in Lausanne zeigten wenig Mitgefühl: "Es geht der Klägerin im Grunde genommen darum, sich mit Hilfe des Richters aus einer Lage zu befreien", meinten die hohen Herren, "in die sie sich 1959 durch den Kauf der Minderheitsbeteiligung selber versetzt hat, deren sie aber inzwischen überdrüssig geworden ist". Die Reibereien seien zu erwarten gewesen, weil die Beteiligten im gleichen Gewerbe tätig sind. Lausanne weigerte sich denn auch, die Ehe zu scheiden.