Selbst unter Landratten. hat es sich herumgesprochen, daß es gefährlich ist, bei schwerem Wetter und hohem Wellengang mit kleinen Booten auf See umherzuschippern. Daß man sich aber sogar im ruhigen Hafen, umgeben von reinster Meeresluft, den Tod durch eine Abgasvergiftung holen kann, scheint selbst unter langjährigen Skippern noch zu wenig bekannt zu sein.

Da werden dann die Schotten dichtgemacht, die Persenning übergezogen, und die Petroleumheizung verbreitet wohlige Wärme in der Kajüte – und frißt den wenigen Sauerstoff in dem kleinen Raum. Dafür aber reichert sie die Luft mit dem gefährlichen, weil geruchlosen Kohlenmonoxyd an, das auch durch undichte Auspuffrohre des Motors ins Bootsinnere dringen kann.

Auf der Flensburger Förde mußten in diesem Sommer zwei Schiffer ihre Unvorsichtigkeit mit dem Leben bezahlen: Der eine atmete während der Fahrt Abgase ein, den anderen fand man am Morgen erstickt in seinem Boot im Hafen von Langballigau, nachdem die ganze Nacht beizugezogener Plane die Bordheizung gebrannt hatte.

Schon kleine Kohlenmonoxydmengen in der Luft sind tödlich: Das Gas verbindet sich so fest mit dem roten Blutfarbstoff, daß dieser keinen Sauerstoff mehr transportieren kann und man innerlich. erstickt. Die Vergiftung deutet sich vorher nur durch Kopfschmerzen, Schwind delgefühl, Augenflimmern und Ohrensausen an, aber damit geht eine euphorische Stimmung einher, so daß die Gefahr häufig nicht erkannt wird.

Die Heizungen sind auf Jachten stets besondere Gefahrenquellen. Viele Käufer eines Tausende von Mark teuren Bootes sparen am Zubehör und bauen dann meist billige, ausländische Fabrikate ein, die häufig nicht, den Sicherheitsanforderungen genügen. Es gibt Petroleumöfen, die ihre Brennluft aus dem knappen Sauerstoffvorrat der Kajüte beziehen, wo der Brenner selbst auch noch steht. Wenn ungünstige Windverhältnisse den Schornsteinzug behindern, hat man alle Abgase mit im Raum. Und das Abgasrohr schließlich ist aus billigem Aluminiumschlauch, der nicht nur leicht zerfressen wird, sondern kleine Löcher auch noch fast unsichtbar werden läßt. Teurere und bessere Heizungen sind in einem Extraraum untergebracht und blasen nur die warme Luft in die Kajüte – kosten allerdings auch mehr des an Bord oft knappen elektrischen Stroms.

Eigentlich sollte indes jeder Skipper die Abgasgefahren kennen – er wird bei der Prüfung zum Sportbootführerschein danach gefragt. Und das ist wichtig, denn kein TÜV kontrolliert die privaten Boote auf Sicherheit. Rainer Köthe