Von Christel Szymanski

Die nächste Krise kommt bestimmt. Nicht nur Pessimisten im Saarland malen, noch mittendrin in der aktuellen Stahlkrise, die nächste schon an die Wand.

Vorderhand freilich hat der im kleinen Saarland besonders schmerzlich spürbare Stahlnotstand gute Aussichten auf ein Ende – wenn auch nicht auf ein glückliches. Der luxemburgische Stahl-Multi ARBED übernimmt in diesen Tagen offiziell die Anteile der Familien Röchling, der Otto-Wolff-Gruppe und der Mabanaft an den drei Saar-Hütten in Völklingen, Saarbrücken-Burbach und Neunkirchen.

Damit wird die Entwicklung der Saar-Stahlindustrie bis 1983 absehbar; denn auf diese Zeitspanne sind die Umstrukturierungs- und Rationalisierungspläne angelegt. Bis dahin hat sich die Stahlindustrie stabilisiert, hoffen die einen. Danach kommt die nächste Krise, befürchten die anderen – wenn nämlich der luxemburgische Konzern sein Stahlimperium auf Kosten des Saarlandes weiter rationalisiert.

Fest steht jedenfalls, daß die ARBED zur Zeit alles daran setzt, die Stahlindustrie an der Saar zumindest vorerst zu erhalten. Es ist kein dankbares Erbe, das der luxemburgische Konzern, der Stahlwerke und -beteiligungen in zehn Ländern hält, da angetreten hat. Denn alle drei Hütten waren Ende vergangenen Jahres hoffnungslos tief in den roten Zahlen. Röchling-Burbach zum Beispiel die größte Saar-Hütte, hatte 1977 trotz des Abbaus von dreitausend Arbeitsplätzen ein Rekorddefizit von 212 Millionen Mark erwirtschaftet. Und das Neunkircher Eisenwerk arbeitet nun schon im vierten Jahr in den roten Zahlen.

Nicht, daß es der ARBED schwerfallen würde, sich der maroden Unternehmen anzunehmen. Bei Unterstützungen in Milliardenhöhe – zweihundert Millionen Mark bedingt rückzahlbare Investitionszuschüsse, neunhundert Millionen Bürgschaften, dazu die Zwanzig-Prozent-Förderung aus der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" – hält sich das Risiko in Grenzen, und andererseits wird schließlich die ARBED mit der Saar-Produktion auch noch zum zweitgrößten privatwirtschaftlich organisierten Stahl-Konzern Europas.

Der Preis aber, den die Saar-Hütten für ihre Gesundung zu zahlen haben, ist hoch. In dem Land, in dem jeder Dritte in der Stahlindustrie arbeitet, das seit 1973 mit seiner Arbeitslosenquote an der Spitze der Bundesländer liegt und im August mit 7,6 Prozent eine fast doppelt so hohe Rate hatte wie der Bundesdurchschnitt, werden, durch die Rationalisierungsmaßnahmen noch einmal neuntausend Arbeitsplätze abgebaut. Bei Röchling-Burbach bedeutet das die Freisetzung von einem Viertel der Belegschaft: 1983 werden noch 14 800 Personen in den Werken Völklingen und Burbach beschäftigt sein. Für fünftausend ist kein Platz mehr.