Noch immer sind die Steuersünder einfallsreicher als der Fiskus

Von Friedhelm Gröteke

Jahrelang hatte Sophia Loren eine bemerkenswerte, wenn auch wenig beneidenswerte Gemeinsamkeit mit dem Fiat-Chef Giovanni Agnelli: Sie war Italiens ergiebigste Steuerzahlerin, er das männliche Pendant. Irgendwann fand die schöne Filmschauspielerin jedoch, daß sie auf diesen Superlativ auch verzichten könne. Sie verlegte, mit ihrem Mann Carlo Ponti, den Wohnsitz nach Paris.

Für Oktober ist nun ein Steuerprozeß gegen die Diva anberaumt, die bei ihrem letzten Besuch in Rom stundenlang von Finanzbeamten "ausgefragt" wurde. Den Grund für die indiskrete Neugier des Fiskus liefern Meinungsverschiedenheiten zwischen Sophia und dem Finanzamt über zurückliegende Steuerjahre.

In diesen Jahren hat sich Italiens Steuermaschinerie allerdings gewaltig verändert. Vor einem Jahrzehnt noch besteuerte der Fiskus mangels besserer Möglichkeiten und Erkenntnisse die Einkommen weitgehend nach dem Lebensstil – zum Nachteil der Prominenz, aber zum Vorteil jener Reichen, die nach schwäbischer Art zur Messe mit einem Fiat 500 vorfuhren und den Lancia nur zu Auslandsreisen benutzten. Wer also ein Pianoforte oder ein Segelboot in der Einkommensteuererklärung sein eigen nannte, galt als Krösus. Vom Gegenteil ließ sich das Finanzamt auch mit noch so einleuchtenden Argumenten nicht überzeugen.

Amnestie für die Sünder