Die am vergangenen Freitag in London festgenommene mutmaßliche Terroristin Astrid Prell befindet sich in Auslieferungshaft. Der Haftbefehl lautet auf versuchten Mord.

Astrid Proll (31), die als Gründungsmitglied der Baader-Meinhof-Gruppe gilt, war seit November 1977 unter dem Namen Anna Puttick in einer Londoner Autowerkstatt als Lehrlingsausbilderin beschäftigt. Über ihren Anwalt ließ sie erklären, sie habe in Großbritannien keinen Kontakt mehr zur sogenannten Roten-Armee-Fraktion (RAF) gehabt. Die britische Polizei bestätigte, daß sie nach den vorliegenden Erkenntnissen nicht in terroristische Aktionen auf der Insel verwickelt gewesen sei.

Astrid Proll war 1974 untergetaucht, nachdem sie wegen eir.er lebensgefährlichen Erkrankung für haftunfähig erklärt worden war. Nach den Worten ihres Anwalts fürchtet sie nun, daß sie "das gleiche eklige Ende wie die anderen (Terroristen) in deutschen Gefängnissen erleiden" müsse.

In London wird mit einem langwierigen Auslieferungsverfahren gerechnet. Deutsche Beamte sind bereits zu Vernehmungen nach London gereist. Gerüchte, wonach Scotland Yard die Festnahme auf Grund von Hinweisen aus der Bundesrepublik vornehmen konnte, fanden noch keine Bestätigung. Ebenso unbestätigt blieben bisher Vermutungen über den Aufenthalt weiterer mutmaßlicher Terroristen in Großbritannien.

Trotz dieses jüngsten Fahndungserfolges ist die Terror-Szene nach Ansicht von Bundesinnenminister Baum nicht entscheidend geschwächt worden. U. V.