Von Klaus Viedebantt

Auf den Aland-Inseln muß man schon sein eigenes Gesicht mögen. Außer köstlicher Abgeschiedenheit gibt’s Anglerfreuden und sonst nicht viel.

Ruhe-Sucher sollten um die Städte im hohen Norden dennoch keinen Bogen machen – wie unser Bericht über das lebendige, finnische Turku zeigt (S. 55).

Am Wochenende aber sind die Städte ausgestorben. Da ziehen die Bewohner hinaus in die Schüren, um in der Stille zu leben: Abenteuer Einsamkeit.

Er sei ein kleiner König, hieß es, als wir zu ihm aufbrachen; Sein Reich ist die Inselwelt um Husö, wo sein Bauernhof und seine Ferienhauskolonie stehen, da wo der Archipel der Aland-Inseln sich in unzählige kleine und winzige Eilande bis zum finnischen Festland hin zerbröselt. Ein Ålander zeigte uns Husö auf der Karte, ein Punkt im Punktegewirr zwischen Schweden und Finnland, auf der Trennlinie von Ostsee und Bottnischem Meerbusen.

,,Das ist unser Südosten, aber wir können es auch unseren Wilden Westen nennen", schmunzelte er. Es gäbe da nämlich noch mehr Männer wie den Ferienhauschef Rolf Norberg, Herr über ererbte Ländereien, die größtenteils unter Wasser stehen, Meeresgroßgrundbesitzer. Auf den ohnehin autonomen Ålands (eigene Flagge, eigene Innenpolitik, kein Militärdienst) sind diese Fischer und Bauern besonders unabhängig. Nach Husö braucht der zuständige Polizist eine halbe Tagesfahrt per Schiff.

In der Hauptstadt Mariehamn waren wir morgens im Kleinbus aufgebrochen. Die Fahrerin, durchaus kein junges Ding mehr, fuhr wie der Teufel. Von wegen allgemeine "Hastigkeitsbegrenzung" mit 90 Stundenkilometer: Wir hatten in Langnäs die Fähre zu erreichen, quer durch einen regen Verkehr! Die 22 000 Äländer fahren gerne Auto, deshalb haben sie sich wohl auch 800 Kilometer Straßen auf ihre kleinen Inseln gepflastert.