Ludwig Poullain, so unkte noch im Juni der damalige Fraktionschef der SPD im Düsseldorfer Landtag, Dieter Haak, könne bei der Westdeutschen Landesbank nicht einmal mehr Pförtner werden. Und wie Haak nahmen viele an, der gestürzte Bankier sei zu einem Rentnerdasein verurteilt. Aber nun soll für Poullain eine neue Karriere beginnen: Berthold Beitz, Aufsichtsratsvorsitzender der Fried. Krupp GmbH, gibt dem gestolperten Geldmanager eine neue Chance.

Mit seiner "aufgestauten Energie" soll Poullain nach dem Willen von Beitz die Iran-Krupp Investment AG in Zürich in Schwung bringen. Der Oberaufseher des Krupp-Konzerns will in Zürich endlich Taten sehen. Bisher hat das 1975 gemeinsam von der persischen Regierung und Krupp gegründete Unternehmen nichts Nennenswertes hervorgebracht. Es ist, wie Beitz heute einräumt, eine reine Briefkastenfirma.

Bei der Gründung hörte sich das noch ganz anders an. Mit dem Geld des Schah und dem Geist von Krupp sollte das Unternehmen weltweit operieren, Industrieanlagen bauen und betreiben. Aber den Persern saßen dann später die Öldollars nicht mehr so locker in der Tasche und bei Krupp bemühte sich niemand ernsthaft darum, sie doch noch herauszuziehen.

So mußte sich der Krupp-Vorstand bisher von Ausrede zu Ausrede stottern, wenn er nach den Geschäften des Züricher Unternehmens gefragt wurde.

Was der Krupp-Vorstand bisher nicht vollbrachte, soll nun Poullain machen. Krupps Aufsichtsratsvorsitzender, der in der nächsten Woche 65 Jahre alt wird und dennoch nichts von seiner Ungeduld verloren hat, will endlich Taten sehen – und auch Geld für die von ihm verwaltete Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung, die sich bisher eher mit Almosen zufrieden geben mußte.

Es müsse doch möglich sein, so sinnierte Beitz, das Grundkapital der Krupp GmbH von 700 Millionen Mark wenigstens mit acht Prozent zu verzinsen. Dann bekäme er für seine Stiftung, der knapp 75 Prozent dieses Kapitals gehören, immerhin gut vierzig Millionen Mark jährlich. Für 1977 mußte er sich hingegen mit weniger als zwanzig Millionen Mark begnügen. Und eigentlich war auch das für Krupp noch zuviel, denn das vergangene Jahr schloß mit einem erheblichen Verlust ab.

Ohne die Millionen des Schah hätte es für die traditionsreiche Firma daher finster ausgesehen. Seit 1974, als eine blendende Stahlkonjunktur den Konzern vorübergehend von seinen Ertragssorgen befreite, hat Krupp kein Geld mehr verdient. Hätte nicht die Tochtergesellschaft Fried. Krupp Hüttenwerke AG ihre Verluste für sich behalten, dann sähe die Krupp-Bilanz recht trübe aus. Aber dank der auf die Krupp-Konten überwiesenen und in harte Mark umgetauschten Öldollars aus dem Morgenland konnten die längst noch nicht überwundenen Strukturschwächen des Konzerns hell übertüncht werden. Daß eine zweite Liquiditätskrise, wie sie das Haus Krupp 1967 schon einmal erschüttert hatte, vermieden werden konnte, ist das Verdienst des Einzelgängers Beitz, ohne dessen Verhandlungsgeschick der Schah nie und nimmer 1,4 Milliarden Mark für den Einstieg in einen nicht gerade florierenden Konzern gezahlt hätte.