Von Jes Rau

Als die Lorbeeren bei der Verleihung des Ehrenpreises für "Verdienste um die Wirtschaftswissenschaft" denn kein Ende nehmen wollten, beschied der Preisträger Alfred Kahn seine Gastgeber, nun müsse er sich aber langsam auf den Weg machen, "um weiterzumachen bei der Zerstörung der Fluggesellschaften". Mit solcher Ironie, die bei der Festversammlung des Verbandes Amerikanischer Nationalökonomen aufgeräumte Heiterkeit auslöste, würde Kahn den Bossen einiger amerikanischer und ausländischer Fluggesellschaften, und Charterunternehmen vermutlich nur ein gequältes Lächeln entlocken. So mancher von ihnen fürchtet nämlich, daß sich Alfred Kahn tatsächlich als der Totengräber ihres Unternehmens erweisen könnte.

Der 60jährige Nationalökonom, den Präsident Carter vor einem Jahr zum Chef der US-Luftfahrt-Aufsichtsbehörde CAB (Civil Aeronautics Board) ernannte, ist nämlich fest entschlossen, den amerikanischen Binnen-Flugverkehr aus der Obhut staatlicher Regulierung zu entlassen und dem Kartell internationaler Fluggesellschaften, der IATA, einen großen Teil seiner Macht zu nehmen.

Nach den Vorstellungen Kahns soll die von ihm geleitete Aufsichtsbehörde die Autorität zur Festlegung der Flugtarife so weit wie möglich an den Markt abgeben. Und die Funktionen der IATA möchte Kahn am liebsten auf die Lösung technischer Fragen reduzieren, wie etwa die Unterhaltung des gemeinsamen Reservierungssystems. "So viel Wettbewerb wie möglich, so viel staatliche Regulierung wie nötig", heißt seine Devise.

Deshalb verfolgt Kahn auch eine Politik des "Himmels für jedermann" bei der Vergabe von Verkehrsrechten. Während die Gesellschaften ihre Routen bislang als unantastbare Pfründe ansehen konnten, soll der CAB künftig bei der Vergabe von Verkehrsrechten Großzügigkeit walten lassen. Solange aber das Amt den Himmel aufteilt wie eine Torte und den einzelnen. Fluggesellschaften je ein Stück davon überläßt, kann es nach Meinung Kahns nicht zum Preiswettbewerb kommen.

Mit dieser Politik befindet sich Alfred Kahn ganz im Einklang mit US-Präsident Carter, der den Amerikanern während seines Wahlkampfes versprach, die wuchernde Reglementierung der amerikanischen Wirtschaft wieder zurückzudrehen. Die Binnenluftfahrt ist: nur eine von vielen Branchen, für die offiziell Mindest- und Höchstpreise festgelegt werden und deren Unternehmen ihre Preise zur Genehmigung vorlegen müssen. Die Behörden wurden zumeist in den dreißiger Jahren, gegründet – mit dem Auftrag, die Interessen der Öffentlichkeit zu wahren.

Zunächst als kommunistisch verteufelt gewann die Politik der Regulierung in den betroffenen Branchen schnell ihre Anhänger. Aus gutem Grund: Wie Walter Adams und Horace Gray in ihrem 1955 erschienenen Buch "Monopole in Amerika" aufzeigen, erwies sich die Beaufsichtigung durch den Staat als perfektes Vehikel zur Etablierung von Quasi-Monopolen mit all ihren typischen Merkmalen: Absprache überhöhter Preise, Erschwerung des Marktzugangs von Außenseiterfirmen und Verhinderung des technischen Fortschritts.