Guten Tag! – Viele Male täglich sagt man es, hört man es, aber was bedeutet es eigentlich?

Klar, daß es ein Gruß ist.

Aber was ist ein Gruß? Auf beide Fragen gibt die Brockhaus-Enzyklopädie erschöpfend Antwort. Da heißt es:

"Der G. hat sowohl verbindende wie ausgliedernde Funktionen, je nachdem er den Gemeinschaftsgliedern ein bestimmtes Situationsverhalten auferlegt oder deren Sozialdifferenzen noch zusätzlich hervorhebt. – Aus Reflexbewegungen in gewissen. Lebenslagen als Ausdruck primitiver Geistigkeit ist allmählich die durch gewohnheitsmäßige Übung charakterisierte Grußgebärde geworden; die Grußformeln entstammen hingegen jüngeren Kulturschichten und enthalten vielfach volkstümliche Losungen.

Die ursprüngl. Grußgebärden drückten Friedfertigkeit, Unterwerfung und Verehrung des Göttlichen aus; bei Naturvölkern sind sie meist bedingt durch Zaubermotive. Durch Herausstrecken der Zunge (Neuseeland, Tibet), Aneinanderreihen der Nasen (Eskimo, Polynesien), Entblößen und Emporrecken des Gesäßes (Sudan) bei der Begrüßung soll böser Zauber abgewehrt werder, der von dem Fremden kommt. Ein Verneigen, und Niederwerfen drückt gute Gesinnung und Unterwerfung unter den Begrüßten aus. Der Orient kennt Grußgebärden wie die Proskynese und die Verbeugung mit gekreuzten Armen, zusammengelegten Handflächen u. a. Die alten Ägypter begrüßten sich mit tiefer Verneigung, indem sie die Hände bis zu den Knien senkten, die Griechen kannten nur wenige Grußzeichen, die Römer grüßten lediglich Vertraute mit Händedruck und Umarmung. In german. Zeit gehörten zum G. das Ablegen der Waffen und das Anbieten von Geschenken. Die schon früh in ganz Europa verbreitete Sitte des Kniefalls vor dem höheren Fremden vereinfachte sich zur Verbeugung. Die Grußgebärden des Abendlandes (Aufstehen, Verneigen, Handschlag, Knicks, Umarmung, Kuß) stammen aus der mittelalterlichen Kultur; rechtliche Bedeutung gewinnt der (Königs-)G. durch Erheben beider Hände und ein gleichzeitiges Gelöbnis vor dem gekrönten Herrscher, ähnlich wie der vor allen Hoheitszeichen verlangte Achtungsgruß. Das Hutabnehmen zum G. (ab 15. Jahrh.) hat seinen Ursprung im mittelalterlichen Hauptentblößen als ritterlichem Zeichen der Unterwerfung sowie der Demut gegenüber Höherstehenden und adligen Frauen; aber erst seit dem 17. Jahrh. wurde es mit der Zunahme absolutist. Staatsformen und den damit verknüpften Ergebenheitsäußerungen allgemein üblich...

Seit dem 13. Jahrh. hat die Kirche die Einflechtung des Gottesnamens in die Grußformeln bewußt angestrebt; an die Stelle des german. Friedensgrußes ‚Heil‘ traten grußähnliche Gebetswünsche: ‚Gott gebe Dir Heil‘, ‚Gott willkommen‘. ‚Gott grüße Dich‘ hat sich in dem österr. und süddt. ‚Grüß Gott erhalten; die Kurzformen ‚’s Gott‘ (süddt.) und ‚Grüetzi‘ (Schweiz) lassen die Ursprungsformel kaum mehr erkennen; aus ‚Gott gebe Dir einen guten Tag‘ u. ä. ist der einfache Tageszeitengruß ‚Guten Tag, Guten Morgen, Guten Abend, Gute Nacht‘ geworden."