Knut Kiesewetter: "Springe nicht in mein Boot". Der längst vom Jazz zum Liedermachen konvertierte Musiker gebraucht seine schöne sanfte, schwingende Stimme hier für eine farbige Melange, darin Reminiszenzen an die Zeit des gemütlichen Jazz, eine bittere Kritik an der Scheinheiligkeit von Kirchenmännern, ein volksliedhaftes Schlittschuhläuferlied, distinguiert kritische Anmerkungen zum modernen Leben. Die manchmal recht einfachen – und ebenso gereimten – Wahrheiten kommen in überaus mannigfaltigen musikalischen Gewändern daher, die, das merkt man sofort, mit großer Musikantenlust geschneidert sind: Country-Song, Choral, (von Kiesewetter im Playback wohl selber erzeugter) mehrstimmiger Gesang, deutsches Volkslied, angelsächsischer Folksong, Kabarettlied, und ein zu wacher Aufmerksamkeit aufrufendes Wiegenlied ist von einer Spieluhrmusik eingeschlossen. Zusammen könnte man alle diese Lieder unter die Rubrik "leichtes Chanson" bringen. (Polydor 2371 883)

Manfred Sack

Hörenswert

"Lollipop" (nach Christine Nöstlinger). Eveline mit den parmaveilchenblauen Augen bringt Lollipop, der eigentlich Victor-Emanuel heißt, in Geld- und Herzensnöte. Ihretwegen verstrickt sich der Junge in ein fast auswegloses Lügennetz. Der "gemischte Otto", ein waldmeistergrüner Dauerlutscher, Sorte Lollipop, made in USA, die verstandnisvolle Oma und ein Rest Vernunft helfen schließlich eine Katastrophe zu verhindern. Die unerhörte Fabulierkunst der Nöstlinger, die exakte Milieu-Studien mit surrealistischen Späßen verknüpft, ist in dieser Hörspielfassung phantasievoll szenisch umgesetzt worden. Eine glänzende Besetzung (hervorragend der kleine Ali Oehme) unter kompetenter Regie trägt dazu bei, daß die literarische Vorlage unbeschädigt auf die Platte gebracht wird, (phonogram 6434 333) Ute Blaich

Zwiespältig

Graham Parker & The Rumour: "The Parkerilla". Das phantastische Cover allein und der Titel des Albums sind leider den Preis nicht wert. Denn diese Live-Versionen von Graham Parkers Rhythm & Blues-Liedern sind beinahe wie Studiofassungen arrangiert. Parker selber, nicht immer in bester stimmlicher Verfassung, singt manierierter und angestrengter, als man es von seinen besseren Konzertauftritten her kennt. Außerdem ist der Sound des Albums so muffig, als handle es sich um einen schlecht abgemischten Kassettenmitschnitt. Auch die letzte Platte der Gruppe war schon so miserabel produziert. Wer verstehen will, warum Graham Parker und seine normalerweise swingende Truppe als bestes britisches Rhythm & Blues-Ensemble der letzten Jahre gefeiert wurde (wird?), lernt ihn besser durch seine ersten beiden Studio-LPs "Howling Wind" und "Heat Treatment" kennen. (Vertigo 6641 797) Franz Schüler